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Wie man die goldenen Sterne der Himmelsscheibe leicht zuordnet

Bei dieser erweiterten Interpretation der Himmelsscheibe von Nebra handelt es sich nicht um wissenschaftliches “Neuland“, sondern um uraltes längst bewiesenes Wissen, dass heutzutage zum Allgemeinwissen gehört und an Schulen vermittelt wird. Daher muss diese Theorie von Wissenschaftlern eigentlich nicht erst überprüft werden, denn das kann jeder! Bilden Sie sich ihre eigene Meinung und reden Sie darüber.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der heutigen und der frühbronzezeitlichen Sternenkarte

Als erstes sei darauf hingewiesen, dass es selbstverständlich mehrere Möglichkeiten gibt Sternenkarten aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erstellen. Hinkommt, dass die Geschehnisse des Sternenhimmels in digital erzeugten Karten nie der Wirklichkeit entsprechend wiedergegeben werden können, wodurch die Sternbilder dann verzerrt erscheinen. Mehr dazu und über ein kostenloses digitales Planetarium: Die Himmelsscheibe von Nebra stimmt mit heutigen Sternenkarten überein

Blickrichtung, Standort und Zeitraum

Doch kommen wir nun zum eigentlichen Thema: Wenn wir die Fixsterne über einen längeren Zeitraum in der Natur beobachten, fallen uns in jeder der vier Haupt-Himmelsrichtungen unterschiedliche Bewegungsmuster auf. Heutzutage können wir die Sternenbahnen aber auch ohne große Anstrengungen und mit wenig Zeitaufwand ermitteln. Hierzu brauchen wir nur eine feststehende Kamera, die ein Foto mit in einer Langzeitbelichtung vom Nachthimmel aufnehmen kann. Dadurch werden die Bewegungen der Sterne als Strichbahnen aufgezeichnet. Oder wir verwenden ein geeignetes Computerprogramm, das wir ohnehin benötigen, wenn wir die astronomischen Symbole der Himmelsscheibe von Nebra erforschen wollen. In dem Programm habe ich als Standort die Koordinaten des Fürstenhügels von Leubingen eingegeben und das Jahr1950 v.Chr. Dies ist die Lebenszeit jenes Fürsten, der wegen der großen Übereinstimmung seiner bedeutenden Grabbeigaben im Vergleich mit den Beigaben der Himmelsscheibe (Meller, 2005: 96) möglicherweise als Schöpfer der Himmelsscheibe in Frage kommt. MELLER, Harald (2005). Der Körper des Königs. Der geschmiedete Himmel. Herausgeber Harald Meller. Mehr dazu: Nur vier Fürsten kommen als Schöpfer der Himmelsscheibe in Frage

Blickrichtung Norden

Abb. 1: Langzeitaufnahme von Zirkumpolarsternen. https://pxhere.com/de/photo/1000648

In dem dunkelsten Bereich des Himmels, in dem nie die Sonne zu sehen ist, umrunden die Zirkumpolarsterne in Vollkreisen den Himmelsnordpol. Es gilt, je weiter ein Stern vom scheinbaren Zentrum entfernt ist, desto größer wird sein Kreisbogen. Diese Situation wird durch das Foto belegt, auf dem die einzelnen Bogenabschnitte nach außen hin länger und gestreckter abgebildet sind. Ferner erzeugen helle Sterne natürlich auch hellere und breitere Leuchtspuren (Abbildung 1).

Abb. 2: Der nördliche Sternenhimmel um 1950 v.Chr. Beim Nordpol steht kein heller Stern und ˈunserˈ Polarstern Polaris ist noch weit entfernt. Die blauen Linien zeigen das Äquatoriale Gradnetz an, wobei die konzentrischen Parallelbögen auch den Verlauf der Sternenbahnen verdeutlichen, die auf diesen Linien liegen.

Trotz der offensichtlichen Gleichförmigkeit der nördlichen Sternenbahnen kommt drei Zirkumpolarsternen eine besondere Bedeutung zu (siehe Abbildung 2): Ein Stern passiert, wenn er in der oberen Kulmination seinen höchsten Punkt durchläuft beinah den Zenit, den Punkt direkt über dem Kopf des Beobachters. Ein anderer Stern steht dem Himmelsnordpol (HNP) am nächsten und somit kann durch ihn die Nordrichtung und dann auch alle anderen Richtungen bestimmt werden. Schließlich erreicht der äußerste der Zirkumpolarsterne exakt im Nordpunkt (N) seinen unteren Kulminationspunkt, wenn er gerade noch über der Landschaft wahrnehmbar ist. — Doch sobald man weiter nordwärts oder südwärts reist, verändert sich die Höhe des Nordpols und aller Zirkumpolarsterne, weshalb dann andere Sterne diese Zeigerfunktionen einnehmen.
Die Sterne außerhalb des Zirkumpolarkreises gehen mit zunehmender Entfernung vom Himmelspol immer weiter westlich des Nordpunktes unter und östlich davon wieder auf, wodurch der unsichtbare, unterläufige Bereich der täglichen Kreisbahn beständig länger wird.

Besonders helle Zirkumpolarsterne fungieren als Sternenuhr

Heute, wie vermutlich auch schon in der Bronzezeit, waren im Norden die sieben Sterne des Großen Wagens am leichtesten von allen Konstellationen zu erkennen. Verlängern wir heutzutage das hintere Ende seines Kastenaufbaus oder der hinteren Achse, um das Fünffache, treffen wir auf unseren Polarstern Polaris, der der erste Stern am Griff oder der Deichsel des Kleinen Wagen ist. Dies ist heute der wichtigste Stern in unserer nördlichen Himmelshälfte. Er vollführt nur eine ganz winzige Kreisbewegung, die wir kaum bemerken und er scheint als einziger Stern stillzustehen, da er nur knapp 1° vom Himmelspol entfernt ist. Die Linie zwischen dem Kastenende des Großen Wagens und dem Polarstern, können wir als kleinen Zeiger einer großen Uhr betrachten.

Da aber die Himmelspole wegen einer Taumelbewegung der Erdachse, der sogenannten Präzessionsbewegung, in etwa 26.000 Jahren annähernd eine Kreisbahn am Himmel zurücklegen und sich dadurch auch das gesamte Firmament verschiebt, müssen nach einigen Jahrhunderten andere Sternenzeiger gefunden werden. Die Astronomen der Frühbronzezeit hatten damals gleich zweimal das Glück, wie auf der Himmelsscheibe von Nebra verborgen dargestellt ist, dass helle Zirkumpolarsterne gleichzeitig beinah übereinander zwischen dem Nordpunkt und der Himmelsnordpol standen und ebenfalls Sternenzeiger bildeten.

Insgesamt ist zu bedenken, dass die Nächte je nach Jahreszeit unterschiedlich lang sind, weshalb auch die Zirkumpolarsterne nur für gewisse Zeiträume sichtbar sind. Hinzukommt, dass zwar alle Sterne in 24 Stunden einen vollen Umschwung durchlaufen, aber ein Sternentag ist 4 Minuten kürzer als ein Sonnentag. Denn, wenn wir uns einen Fixstern über dem Süd-oder Nordpunkt merken, vergehen nur rund 23 Stunden und 56 Minuten bis er wieder dort ankommt. Dies entspricht einer Umdrehung der Erde um die eigene Achse. Dagegen benötigt die Sonne für denselben Umlauf 24 Stunden, weil die Erde zusätzlich noch jeden Tag die Sonne um rund 1 Grad umrundet. Demzufolge geht jeder Stern vier Minuten früher auf und später unter. Diese zeitliche Verschiebung zum Sonnenjahr bewirkt, dass wenn man einen Sternenzeiger immer zur Mitte der Nacht betrachtet, er sich jeweils zu Beginn der vier Jahreszeiteneine Viertel Umdrehung weitergedreht hat, und alle Gestirne mit ihm.

Mit den Zeigersternen einer Sternenuhr, die den Nordpol als Zentrum hat, versteht man am einfachsten die Tages- und Jahresbewegung der Fixsterne.

Nur in Blickrichtung Norden kreisen Sterne auf vollständigen Parallelkreisen um ein Zentrum und der gesamte Umschwung erfolgt gegen den Uhrzeigersinn.

Weiterlesen: Acht wichtige Zirkumpolarsterne

Blickrichtung Osten

Abb. 3: Sternenaufgänge in Blickrichtung Osten. https://pxhere.com/de/photo/1269068

In dieser Himmelsrichtung können des nachts fortwährend Sternenaufgänge beobachten werden. An einem Standort mittlerer geografischer Breite sind im Nordosten die ersten unterläufigen Sterne noch auf den zuvor beschriebenen linksdrehenden Kreisbögen zu sehen, wie die Langzeitaufnahme zeigt (Abbildung 3). Aber je südlicher sich die Sterne emporschwingen, umso mehr strecken sich ihre Bahnen. Der größtmögliche Umschwung erfolgt genau zwischen dem Ost- und Westpunkt und nur am Ostpunkt steigen die Sterne in geraden Linien schräg nach rechts auf. Direkt anschließend, im Südosten, wird der oberirdische Teil ihrer Kreisbahnen weiterhin kleiner, aber diesmal krümmen sie sich in Richtung Himmelssüdpol.
Um diesen scheinbaren Richtungswechsel zu verstehen, können wir mit dem Arm den Umlauf der Zirkumpolarsterne nachahmen. Dann drehen uns langsam in Richtung Süden um, wobei wir den weiterhin um dasselbe nördliche Zentrum kreisenden Arm anwinkeln und am Körper vorbei in unser neues Gesichtsfeld führen. Es ist unverkennbar, dass alle Kreisbahnen zwar den Himmelspol als Zentrum haben, aber tatsächlich stehen wir im Mittelpunkt einer gleichbleibenden Drehbewegung. Denn zuerst sehen wir im Norden die wachsenden Kreisbögen von vorne, wie sie sich gegen den Uhrzeigersinn drehen. Doch als sie über uns ihre größten Durchmesser erreichen, wenden wir uns bei einem Blickwinkel von 90 Grad um und nehmen im Süden die wieder kleiner werdenden Bögen von hinten wahr, die sich nun im Uhrzeigersinn drehen.

In Blickrichtung Osten ist vor allem der Stern auffällig, der am 51. Breitengrad* am Ostpunkt in gerade Linie schräg nach rechts aufgeht. Außerdem bieten sich die beständig gleichbleiben und präzisen Aufgangsorte der Fixsterne am Horizontkreis für Berechnungen und Forschungszwecke an. Jedoch gehören die Anfänge der konzentrischen Parallelbögen zu den nördlichen und südlichen Bewegungsabläufen. — Im Osten sind also nur die Sternenaufgänge am Horizontkreis von Interesse!

*Für jeden Breitengrad gilt, dass er der Höhe des Himmelsnordpols (51°) über dem Horizont und des Himmelssüdpols (51°) unter dem Horizont entspricht und ebenso dem Winkel zwischen einer senkrechten Linie zum Horizont und der Auf- und Untergangsrichtung eines Gestirns im Ost- und Westpunkt (51°).

Blickrichtung Süden

Das Merkmal dieses Horizontbereichs sind die halbkreisförmigen Bögen der Fixsterne, deren Drehpunktim Himmelssüdpol (HSP) unterhalb des Horizontes liegt. Um die Bewegung dieser Parallelbögen zu verfolgen, eignet sich für Anfänger am besten ein helles Sternenpaar, das kurz nacheinander zwischen Ost und Südost erscheint. Denn einerseits entstehen in dieser Region nur recht niedrige Umlaufbahnen, weshalb man den Kopf nicht in den Nacken legen muss. Und andererseits erreichen die Sterne schnell eine Höhe, in der ihr Licht nicht mehr durch die Erdatmosphäre gedämpft wird.

Die folgenden Sternenkarten sind wieder für das Jahr 1950 v.Chr. und den 51. Breitengrad gültig und es ist, wie anfangs erwähnt, eine Verzerrung der Strecken und Flächen zu berücksichtigen. Außerdem ist in diesen Seitenansichten der Horizontkreisim Querschnitt als abgedunkelte Landschaft dargestellt, weswegen in Blickrichtung Süden die extremen Auf- u. Untergangsorte in NO oder NW nicht angezeigt werden können.
Darüber verläuft ein hellblauer konzentrischer Bogen, bei dem es sich um den Himmelsäquator handelt, den ins Weltall hinaus projizierten Erdäquator. Somit ist auch er von beiden Himmelspolen ringsum gleichweit entfernt. Dieser Großkreiswird auch Himmelsgleicher genannt, denn egal an welchem Standort man sich befindet, stehen alle Gestirne, deren Bahnen mit ihm identisch sind, genau 12 Stunden über und 12 Stunden unter dem Horizont. Himmelskörper die südlich des Gleichers aufgehen, sind mit zunehmender Entfernung von ihm auf immer kürzere Kreisbögen unterwegs, nördlichere Sterne dagegen auf immer längeren. Der Himmelsäquator verläuft genau durch die Ost- und Westpunkte und halbiert das Himmelsgewölbe in eine südliche und nördliche Hemisphäre. In Blickrichtung Süden gehören die Sterne oberhalb des Äquators schon zur nördlichen Hemisphäre. Ferner steht er rechtwinklig zu einem weiteren Großkreis, dem Meridian, welcher den Nord- und Südpunkt sowie beide Himmelspole und den Zenit verbindet. *
Überdies ist in den Karten eine rote Linie eingezeichnet, die Ekliptik, welche der scheinbaren Bahn der Sonne vor dem Hintergrund der Tierkreisbilder entspricht.

*Am 51. Breitengrad erhebt sich der Himmelsnordpol 51° über dem Horizont, 39° weiter befindet sich über dem Beobachter der Zenit und wieder 51° weiter in Richtung Süden verläuft der Himmelsäquator, 90° von HNP entfernt (siehe Abbildung 2). — Ein Großkreis schneidet den Horizont immer in zwei gegenüberliegenden Punkten und der Betrachter steht im Mittelpunkt.

Abb. 4: : Der Sternenhimmel zur Wintersonnenwende um 1950 v.Chr. in Blickrichtung Süden.

In Abbildung 4 sind die Sternpunkte vergrößert worden, da die lichtschwachen Sterne in dem kleinen Kartenformat sonst unsichtbar wären. Hier soll nur vermittelt werden, wie herrlich eine sternenklare Nacht sein kann, wenn man in einer Gegend ist oder in eine Zeit zurückreist, in der es noch keine Lichtverschmutzung gibt. Daher war es vor allem früher, als man mit dem bloßen Auge noch zirka 6780 Sterne wahrnehmen konnte, einfacher diese in der Morgen- oder Abenddämmerung zu beobachten, weil dann zuerst nur die hellsten Sterne hervortreten.

Abb. 5: Hier sind nur die hellen Sterne der Sechseck-Konstellation gezeigt. Sirius ist gerade über dem Horizont aufgegangen und in den anderen Kartenausschnitt erreicht er jeweils rund vier Stunden später seinen Höchststand und seinen Untergangsort.

Im linken Teil der Abbildung 5 ist derselbe Himmelsauschnitt, wie zuvor, mit der verzerrten Sternenkonstellation namens ˈWintersechseckˈ abgebildet. Im Anschluss folgen zwei weitere Sternenkarten im Abstand von jeweils 4 Stunden, mit dem Stern Sirius als Zeitzeiger.

Heutzutage erstrahlt die lichtstarke Sechseck-Konstellation zur Wintersonnenwende gegen Mitternacht hoch am Himmel. Jedoch um 1950 v.Chr. stand sie rund drei Grad niedriger über dem Horizont und sie erreichte diese mitternächtliche Position bereits einige Tage vor dem Wintersolstitium. Damals vergingen vom Erscheinen des hellsten Sterns Sirius bis er im Meridian und am Westenhorizont ankam jeweils etwa 4 Stunden. Da der Stern Rigel fast dieselbe niedrige Umlaufhöhe hatte, traf dies auch auf ihn zu, nur schon fast zwei Stunden zuvor. Hingegen erschien Procyon, weil er nördlich des Ostpunktes aufging, sogar noch etwa zwanzig Minuten früher als Riegel. Aber auf seinem sehr viel höheren Parallelbogen benötigte Procyon auf Grund des längeren Bogenlaufes, allein nur für die ¼ Umdrehung bis zum Meridian, etwas mehr als 6 Stunden / einen Viertel Tag. Als höchster Stern des Sechsecks ging Capella nördlich von NO und NW auf und unter (Azimut 40° bis 320°). Somit hatte man jeweils zirka9 beziehungsweise 18 Stunden Zeit diesen¾ Abschnitt des täglichen Umschwungs zu verfolgen. Wenn man mit Winkelgraden rechnen konnte, war es relativ leicht den Himmel und auch die Zeit, anhand bestimmter Sternpositionen, in Einheiten zu unterteilen.

Auf der Himmelscheibe hatten nachweislich einige Sterne solche Zeitzeigerfunktionen, wobei die Zeit in der Frühbronzezeit anscheinend in Winkelgraden gemessen wurde. Wie die Himmelsscheibe verrät, wurde ein Viertel der Nacht durch unterschiedliche Konstellationen von Vega, Procyon, Altair, Capella und Arcturus im Zusammenhang mit zwei nördlichen Sternenzeigern angezeigt. Diese Vielzahl an Möglichkeiten deutet an, dass durchaus auch noch anderer Sterne als Zeitzeiger genutzt worden sein können.

Abb. 6: In dieser Darstellung wird deutlich wie hilfreich es ist die Sterne in Sternbilder zu gruppieren, indem man sie durch gerade Linien verbindet und sich zur Linienführung passende Motive überlegt, um sie besser auffinden zu können.

Für solche und andere Forschungen war es früher sicherlich unerlässlich bestimmte helle Sterne gedanklich mit Linien zu verbinden und zu gruppieren, um sich ihre Positionen leichter einzuprägen.
Daher zum Abschluss noch eine Sternkarte, in die Verbindungslinien und Motive zu den Namen der Sternbilder eingeblendet sind (Abbildung 6). Es wird deutlich, dass sich unser Gehirn abstrakte Dinge besser merken kann, wenn wir uns dazu Geschichten und Bilder merken.

Das Besondere an der südlichen Blickrichtung ist, dass der gesamte Umschwung im Uhrzeigersinn erfolgt. Und dabei erreichen die Sterne im Lauf eines Jahres auf ihren parallelen Kreisbögen, in einem festen Gefüge übereinander und nebeneinander, ihren Höchststand über dem Südpunkt. Aus ihren Aufgangsorten lässt sich ihr relativer Kulminationspunkt im Meridian ermitteln. Und ihre Positionen stehen in enger Beziehung zu den Jahreszeiten.

Weiterlesen: Zwei große Sternenkonstellationen

Blickrichtung Westen

Abb. 7: Sternenuntergänge in Blickrichtung Westen. https://pxhere.com/de/photo/1037102

Auf der nächsten Langzeitaufnahme sieht man wie alle Sterne am winterlichen Abendhimmel eine Lichtspur hinterlassen. Diesmal allerdings in einem schräg absteigenden Neigungswinkel zum westlichen Horizont,(Abbildung 7). Im Grunde sehen wir nur den letzten Abschnitt des Bewegungsmusters, das im Osten begann und dessen Zentrum im Süden liegt.

Im westlichen Viertel des Horizontkreises sind die gleichen Auffälligkeiten festzustellen, wie in Blickrichtung Osten, nur horizontal gespiegelt.

Alle Blickrichtungen in nur einer Karte kombiniert, welch eine Meisterleistung!

Abb. 8: Sternengruppen in den vier Blickrichtungen auf der Himmelsscheibe von Nebra.

Auf der Himmelsscheibe von Nebra werden Sternenkonstellationen von unterschiedlichen Zeitpunkten sowie aus gegenüberliegenden Blickrichtungen (die roten und blauen Sterne mit dem Horizont als Linie) und aus verschiedenen Himmelsrichtungen (die orangenen Sterne an ihren Auf- und Untergangsorten im Horizontkreis) in nur einer Himmelskarte kombiniert. Dies hört sich kompliziert an, doch es gibt eindeutige Verknüpfungen und Hinweise zwischen einzelnen Symbolen und Sterngruppen, wodurch sich der gesamte Bildinhalt relativ einfach und schlüssig erschließen lässt.


Bildnachweis
Fotos mit Langzeitbelichtung: https://pxhere.com

1.7. Eine Sternenuhr und 3x Procyon

In der Frühbronzezeit bildeten einige der zuvor ermittelten hellen Zirkumpolarsterne zweimal mit dem Nordpol nahezu gerade Linien, sogenannte Sternenzeiger.

Am auffälligsten waren die Sterne Vega, Etamin und η -Drache, als sie etwa zeitgleich im Meridian übereinander zu sehen waren. Dann erreichten exakt 6 Stunden später Polaris und Alkaid diese Position. Nach weiteren 6 Stunden stand erst der eine, dann der andere Sternenzeiger auf dem Kopf.
Doch das ist noch nicht alles, denn zweimal definierten die Astronomen zeitgleich mit diesen Zeigern die zuvor beschriebenen Dreieck- und Sechseck-Konstellationen! Was für eine unglaubliche und einmalige Gesamtkonstellation war gefunden worden!!!

In rund 26.000 Jahren verschiebt sich scheinbar, vor allem durch die Taumelbewegung der Erdachse, der gesamte Himmel bis er wieder seine Ausgangsstellung erreicht. Und in dieser langen Zeit formieren sich vermutlich nur sehr selten, wenn überhaupt, zwei Sternenzeigern innerhalb von exakt 6 Stunden. Ausführlicher siehe: 6 Stunden = eine 1/4 Umdrehung

Der Mechanismus dieser perfekten Sternenuhr wurde von Astronomen in Mitteldeutschland entdeckt. Damit war diese Region besonders prädestiniert. Nun konnte man das Himmelsgewölbe in vier gleiche Teile unterteilen. Auch zwischen den Solstitien und Äquinoktien war jeweils eine Viertel-Umdrehung des Firmaments wahrzunehmen. In manchen Nächsten ließ sich sogar ein Dreiviertel des nächtlichen Bogenlaufs vieler Sterne beobachten. Eine Nacht offenbarte somit bis zu drei 6-stündige Zeiteinheiten, … Nun konnten Raum und Zeit nachprüfbar viele Male im Jahr exakt unterteilt und vermessen werden. Und sicherlich ermöglichten diese Beobachtungen weitere Rückschlüsse bezüglich der Himmelsmechanik und der Mathematik.

Außerdem stand gleichzeitig mit dem vierten Sternenzeiger der Stern Procyon / Kleiner Hund genau im Ostpunkt. In dem Fall handelt es sich um das größte von allen goldenen Sternenplättchen der Himmelsscheibe. Und somit lässt sich Procyon 3x verschiedenen Sternensymbolen zuordnen. Procyon zeigt den Verlauf des Himmelsäquator an

Die Mechanik des Sternenhimmels in der Frühbronzezeit

Der Sternenhimmel / 1. Herstellungsphase

Die Sterne an den Enden der Extremstellungen des Tierkreises
und die fünf wahrnehmbaren Planeten

Die Sterne im mittleren Bereich der Himmelsscheibe von Nebra

Blick ins südliche Himmelsgewölbe der Frühbronzezeit

Zwischen der auf der Himmelsscheibe von Nebra dargestellten großen Sechseck- und Dreieckeck-Konstellation vergehen exakt 6 Stunden.

Blick ins nördliche Himmelsgewölbe der Frühbronzezeit

Fünf Zirkumpolarsterne der Himmelsscheibe gehören zu einer Sternenuhr.

Zwei Sternenzeiger bilden jeweils gleichzeitig mit der Dreieck- oder Sechseck-Konstellation eine Sternenuhr
4x 6 Stunden oder 4x eine Viertel Himmelsumdrehung

Der Schöpfer der Himmelsscheibe hatte den Mechanismus einer kompletten Sternenuhr entdeckt, die einen Tag theoretisch in vier gleiche Teile teilen konnte.

Drei unterschiedliche Hinweise auf die Lage des Himmelsnordpols auf der Bronzescheibe

Die Lage des unsichtbaren Nordpols lässt sich auf drei unterschiedlichen Wegen ermitteln.

Ausführliche Erläuterungen: Alle Sterne symbolisieren die komplette Himmelsmechanik der Frühbronzezeit

Zwei Sterne zur Nordpeilung

Zeitgleiche Kulminationen von Zirkumpolarsterne können auch zur exakten Ermittlung des wahren Nordens genutzt werden.

Astral hand to True NorthVon den acht Zirkumpolarsternen, die wir für der Himmelsscheibe von Nebra ermittelt haben, querten Alderamin (10,8°) und Kocab (43,6°), in ihren unteren Konjunktionen, fast gleichzeitig den Meridian.

Zudem war Alderamin in seiner oberen Kulmination am besten geeignet um den Zenit anzuzeigen. Er wäre somit als Heimatstern für die Region sehr geeignet gewesen. Denn mit zunehmender Entfernung, nach Süden oder Norden, eignet sich irgendwann ein anderer Zirkumpolarstern besser als Zenit- oder Heimatstern.

„… Die Ägyptologin Kate Spence von der University of Cambridge hat eine überraschend einfache Theorie vorgeschlagen, die – wenn sie stimmt – das genaue Jahr der Grundsteinlegung der Cheopspyramide liefern würde. In Nature beschreibt Spence ihre Idee: Den Schlüssel liefert ihr die bislang ebenfalls rätselhafte Ausrichtung der Pyramiden. Schon lange wundern sich die Archäologen darüber, wie exakt die pharaonischen Baumeister es verstanden, die Riesenbauten entlang der Nord-Süd-Achse auszurichten. So weicht die Westkante der Cheopspyramide weniger als ein Zwanzigstel Grad von der Richtung zum Nordpol ab. So genau ist kaum ein Magnetkompass – und der war im alten Ägypten noch lange nicht erfunden.
Die Architekten des Pharao mussten sich also an den Gestirnen orientieren.
Dabei nutzten sie die Tatsache, dass sich das Himmelszelt, von der Nordhalbkugel aus gesehen, in 24 Stunden einmal um den Himmelsnordpol dreht – jenen Punkt, auf den die nördliche Verlängerung der Erdachse zeigt. Heute ist es einfach, diesen Punkt zu finden, steht doch fast genau an dieser Stelle der hellste Stern des Kleinen Bären: Alpha Ursae Minoris, besser bekannt als Polarstern.
Die himmlische Richtung variiert mit irdischem Torkeln
Doch zur Zeit der alten Ägypter war das anders. Infolge einer langsamen Torkelbewegung der Erde wandert der Pol in 26 000 Jahren in einer großen Kreisbahn über den Himmel. Vor 4500 Jahren, als die pharaonischen Baumeister die Pyramiden “einzunorden” hatten, befand sich am Himmelspol kein mit bloßem Auge sichtbarer Stern. Die alten Ägypter hätten Norden allenfalls als die Mitte zwischen der westlichsten und der östlichsten Position bestimmen können, die ein polnaher Stern im Laufe einer Nacht erreicht. Solche Messungen waren mit altägyptischen Mitteln tatsächlich möglich.
Hätten aber die alten Ägypter wirklich diese Methode verwendet, behauptet Kate Spence nun, dann wäre diese sicher mit der Zeit immer weiter verbessert worden – die jüngeren Pyramiden müssten also genauer eingenordet sein als die älteren. In Wirklichkeit ist es anders: Die große Pyramide des Cheops ist nicht nur exakter ausgerichtet als die seiner Vorgänger, sondern auch als die seiner Nachfolger Chephren und Mykerinos.
Seltsamerweise variiert die Genauigkeit exakt mit der Torkelbewegung der Erdachse. Kate Spence glaubt nicht an Zufall. Sie vermutet, dass die Ägypter nicht nur einen Stern beobachteten, sondern zugleich zwei: Die Sterne Beta Ursae Minoris (im Sternbild Kleiner Bär) und Zeta Ursae Majoris (im Großen Bären) lagen damals ungefähr auf einer Linie mit dem nördlichen Himmelspol – Norden war also dort, wo die Verlängerung ihrer Verbindungslinie in einer Nacht senkrecht auf den Horizont traf.
Doch nur im Jahre 2467 vor Christus lag der Himmelspol genau auf der Linie beider Sterne. Davor und danach verfehlten die Baumeister mit dieser Methode die exakte Nordausrichtung mit wachsendem Abstand zum Jahr 2467 vor Christus wird dieser Fehler immer größer. Aus der Abweichung der Cheopspyramide von der Nord-Süd-Achse kann man daher berechnen, wann genau sie eingenordet wurde: Im Jahr 2478 vor Christus – 70 Jahre später als bisher angenommen.“ [1]

Der Ägyptologe Robert G. Bauval veröffentlichte zu dieser Theorie: Er habe schon vor Kate Spence die Idee gehabt, dass der Kleine und Große Wagen zum Bau der Großen Pyramiden genutzt wurden. Für ihn waren sie außerdem noch die Zeiger einer Sternenuhr. Denn zusätzlich zu Kocab und Mizar, ging etwa 26° südlich vom Ostpunkt, zeitgleich der Stern Rigel aus dem Orion auf und diese große Konstellation sei eine Sternenuhr. Die Ägypter konnten an dem nördlichen Sternenzeiger erkennen, wann der Stern Zeta Orionis >geboren< wurde. [2]

An dieser Stelle fällt auf, dass auf der Himmelsscheibe der versetzte Stern im Ostpunkt und auch der goldene Stern, für den wir Polaris ermitteln konnten, die beiden einzigen größeren Sternenscheiben sind. Dies ist vielleicht ein versteckter Hinweis sein. Denn wenn Polaris die obere, südliche Kulmination erreichte war zeitgleich, diesmal genau im Osten, wieder einmal Procyon aus dem Wintersechseck zu sehen.

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[1] www.zeit.de/2000/47/cheops%27_Kompass/seite-3  Ulf von Rauchhaupt
[2] www.robertbauval.co.uk The starclock of URSA MAJOR AND URSA MINOR

3x Procyon und eine Sternenuhr

Fünf Zirkumpolarsterne bilden zwei Sternenzeiger, die im Abstand von exakt 6 Stunden im Meridian stehen..
Auf der Himmelsscheibe von Nebra sind der versetzte Stern im Ostpunkt und der goldene Stern, für den wir Polaris ermitteln konnten, die beiden einzigen größeren Sternenscheiben.
Denn, wenn in der Himmelskarte 4 Polaris / Kleiner Wagen in der oberen, südlichen Kulmination stand, bildete er mit 3 Alkaid / Gr. Wagen einen Sternenzeiger und genau im Osten war zeitgleich wieder einmal Procyon zu sehen (siehe nachfolgende 4. Himmelskarte) !
Auch drei weitere, der ermittelten, Zirkumpolarsterne (2 η- Drache, 5 Etamin / Drache + 8 Vega / Leier) bildeten annähernd einen Sternenzeiger über dem Nordpol.
Verfolgen wir den zeitlichen Ablauf dieser beiden Sternenzeiger vergingen zwischen den vier Stellung jeweils genau 6 Stunden oder 4x 1/4 Himmel. Und sie sind ein Teil unseren Konstellationen mit dem Sechseck oder Dreieck.
Alle 4 Sternenzeiger Sternenuhr Der Schöpfer der Himmelsscheibe hatte den Mechanismus einer kompletten Sternenuhr entdeckt, die einen Tag theoretisch in vier gleiche Teile teilen konnte. Allerdings überstrahlte das Sonnenlicht je nach Tageslänge zwei oder auch drei Sternenzeiger, so dass manchmal nur ¼ Himmelsdrehung beobachtet werden konnte.

Dem Stern Procyon können wir 3x verschiedene goldene Sternensymbole eindeutig zuordnen:
Procyon ist e
inmal kurz nach seinem Aufgang im Osten (großes Goldelement als der Teil Sternenuhr), einmal kurz nach seiner Kulmination neben dem Meridian (im Wintersechseck) und einmal kurz vor seinem Untergang im Westen (gegenüber der Dreieckkonstellation) dargestellt, obwohl wir dem östlichen Symbol schon zuvor einem anderen Stern zuteilen konnten! Demnach ist hier eine Mehrfachbelegung gegeben und dies ist dann auch für andere Element nicht auszuschließen!

Nun hatten wir im Beitrag zuvor den Sternenzeiger zur Bestimmung des wahren Nordens, aus zwei der acht Zirkumpolarsterne der Himmelsscheibe, kennengelernt. Zur Sternenuhr gehören weitere fünf Sterne und somit haben wir nur für den Stern Alphekka, aus der nördlichen Krone, bisher noch keine Bedeutung gefunden.

Mehr dazu: Eine komplette Sternenuhr

 

Lässt sich die Beerdigung der Himmelsscheibe einem Zeitfenster zuordnen?

Zum Zeitpunkt der Beerdigung der Himmelsscheibe stimmen vermutlich die zeitlichen Erscheinungen und Beziehungen der Sterne, sowie deren möglichen Bedeutungen, schon nicht mehr genau mit den Sternensymbolen der Himmelscheibe überein.

Alle 4 Sternenzeiger SternenuhrDer Schöpfer der Himmelsscheibe hatte den Mechanismus einer kompletten Sternenuhr entdeckt. 
Das ganz besondere an dieser Uhr war, dass
im ersten Himmelsviertel die >Zeigersterne< Vega und Deneb, im Zweiten Procyon und Altair, im Dritten Deneb und Spica, sowie im Vierten Altair und Procyon, jeweils in Horizontnähe standen. Die Sterne begrenzten, in Kombination mit den beiden großen Ost-West- und Nord-Süd-Konstellationen der Himmelsscheibe, vier größtmögliche >Himmelsfenster< mit jeweils exakt 6 Stunden Zeitabstand!! Es sind 4 komplette Himmelsansichten räumlich und zeitlich exakt abgesteckt!
So
mit konnte der Schöpfer der Himmelsscheibe von Nebra der Nachwelt einen ziemlich exakten Zeitpunkt hinterlassen, wann die Scheibe hergestellt wurde. Von 1950 bis 1600 v. Chr. hatten sich die vier >Himmelsfenster< mit der Sternenuhr verschoben und auch ein Teil der Ekliptiksterne und der Nordzeiger wurden in ihren Verwendungen ungeeigneter.
Denn durch die Präzession verschieben sich besonders die Sterne in Pol- und Äquatornähe.
Der helle Zirkumpolarstern Vega näherte sich dem Horizont und wenn ein Höhenzug Richtung Norden war, könnte er sogar unterläufig geworden sein, da er schon bei nur etwa 0,03° Altitude, direkt über dem am Horizont, sichtbar war. Am meisten fiel die Präzessionsbewegung aber vermutlich bei Altair und Procyon auf, als ihre heliakischen Auf- und Untergänge sich zeitlich auffällig um einen Tag verschoben hatten.

Mehr dazu: Die Sterne haben ihre Bedeutung verloren