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Die Mechanik des Sternenhimmels in der Frühbronzezeit

   Der Sternenhimmel / 1. Herstellungsphase
Sterne stellen die Extremstellungen des Tierkreises und die 5, mit bloßem Auge sichtbaren, Planeten dar
Zwischen der Konstellation des Sechsecks und des Dreiecks vergehen exakt 6 Stunden.
5 Zirkumpolarsterne der Himmelsscheibe gehören zu einer Sternenuhr.
Fünf Zirkumpolarsterne bilden zwei Sternenzeiger, die im Abstand von exakt 6 Stunden im Meridian stehen.
Die Sterne der Himmelsscheibe zeigen 2 jahreszeitliche Kostellationen, 8 Zirkumpolarsterne, Sterne des Tierkreises und 5 Planeten.

Die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten

Wenn der Schöpfer der Himmelsscheibe von Nebra nun darstellen wollte, dass ihm auch die fünf Wandelsterne in ihren Bewegungen aufgefallen sind, würde er diese wohl in der Nähe von Sonne und Mond platzieren, da sie immer in deren Bahnen zu sehen sind, sowie innerhalb der Extremstellungen der Ekliptik, die in dieser Zeichnung durch geraden Striche angedeutet sind.

1. Phase neuDie fünf mittleren goldenen Sterne der Himmelsscheibe, hier grün markiert, stellen die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten dar. Zwei goldene Sterne sind östlich der Sonne, zum Horizontrand zu sehen. – Dies passt zur Sichtbarkeit der inneren Planeten, Merkur und Venus. Da sie die Sonne auf ihrer kleineren Kreisbahn schneller als die Erde umrunden, stehen sie auch bei weitester gegenseitiger Entfernung immer im gleichen Himmelsviertel mit der Sonne und in unmittelbar benachbarten Tierkreisbildern. Von der Erde aus in Richtung Sonne geschaut pendeln sie scheinbar nur um diese und bleiben dabei immer in Horizontnähe.

Die drei anderen goldenen Wandelsterne sind zwischen Sonne und Mond, näher zum Mittelpunkt der Scheibe und somit höher am Himmel platziert worden.  – Da auch die Erde zu den Planeten gehört und sie, von der Sonne aus, der dritte Planet ist, umrunden Mars, Jupiter und Saturn die Sonne außerhalb der Erdbahn in größeren Radien. Da wir die Bahnen dieser äußeren Planeten >von innen< sehen, können sie niemals zwischen uns und der Sonne stehen. Sie beschreiben, wie Sonne und Mond, vollständige Kreisbahnen, durch die gesamte Ekliptik. Somit können sie auch um die Mitternachtsstunden hoch im Süden über dem Horizont stehen.

Mehr dazu: Die fünf Planeten

Sterne stellen die Extremstellungen des Tierkreises und die 5, mit bloßem Auge sichtbaren, Planeten dar

2x Procyon in genau 6 Stunden !

Wintersechseck, Deneb, VegaIn der rechten Computerkarte sehen wir wie, um 1950 v. Chr.  in Mitteldeutschland, das komplette Sechseck gerade die Nordsüdachse überschritten hat. Der Stern Procyon / Kleiner Hund war der letzte Stern dieser Konstellation, der den Meridian überquerte. Der helle Stern Vega aus dem Sternbild Leier stand genau im Nordpunkt. Ebenfalls am nördlichen Horizont, aber weiter westlich, war der helle Stern Deneb aus dem Schwan zu erkennen. Diese beiden Sterne sah man jedoch nur, wenn man sich umdrehte und den Blick nach Norden wandte. Sie bildeten mit dem Sechseck eine, durch den Nordpunkt zeitlich exakt festgelegte, Nord-Süd-Konstellation. Großes Dreieck mit Procyon
In der linken Karte ist ein recht großes Dreieck aus besonders hellen Sternen, zu sehen, das noch größer als das Wintersechseck ist. Es besteht aus dem Stern Altair / Adler, der nahe dem Ostpunkt steht und dem fast im Zenit stehenden Arcturus / Bärenhüter oder Bootes, sowie dem niedrig im Südosten leuchtenden Antares / Skorpion. Zudem steht dem Stern Altair der helle Stern Procyon / Kleiner
Hund gegenüber, so dass nur für einen kurzen Moment eine größtmögliche Ost-West-Konstellation zu beobachten war.

Betrachten wir nun beide Computerkarten, zum südlichen Bereich der Himmelsscheibe, sehen wir Procyon erst neben dem Meridian  und dann gerade noch über dem westlichen Himmelsrand. Für diesen Bogenlauf braucht Procyon auf die Minute genau 6 Stunden.Blick nach Süden png

Diese beiden großen Sternenkonstellationen sind auf der Himmelsscheibe von Nebra abgebildet.
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Zwischen der Konstellation des Sechsecks und des Dreiecks vergehen exakt 6 Stunden.

Mehr dazu: Zwei große Sternenkonstellationen

Das horizontale Koordinatensystem der Frühbronzezeit

Aus der vorliegenden erweiterten Interpretation zur Himmelsscheibe von Nebra kommen wir zu folgender Schlussfolgerung:

Schon die Astronomen der Frühbronzezeit beobachteten die Auf- und Untergänge einiger heller Sterne des Tierkreises. Sie kannten den Bogenlauf des Procyon, der parallel zum Himmelsäquator, etwa die Himmelsphäre halbierte. Außerdem haben sie durch gleichzeitig kulminierende Sterne den Nordpol und den Nordpunkt genau bestimmen können und an der fiktiven Verbindungslinie, dem Meridian, die Höhe der Zirkumpolarsterne über dem Horizont vermessen. Ebenso werden sie die Höhenwinkel der Sterne über dem Südpunkt abgezirkelt haben, was die Darstellung mit der unsichtbaren Horizontlinie durch die Kreisscheibe, mit den 3x 30 Gradsegmenten in Richtung Süden, vermuten lässt. – Für die goldenen Kreiselemente haben sie vermutlich eine Art Zirkel verwendet, so exakt sind sie.

Demnach können wir davon ausgehen, dass sie auch einen Kreis am Boden in 30°-Winkel eingeteilt haben könnten, um ein einfaches Kreisobservatorium zu erhalten. Die lotrechte Stellung eines Sterns wurde an dessen Rand vermerkt. Der Norden war der Nullpunkt. Und der ideale Zeitpunkt, um jeweils einen Viertel Himmelsausschnitt zu untersuchen, war wenn einer der vier Sternenzeiger über dem Nordpunkt stand.
Also konnten sie, wie wir, die Lage eines Sternes bestimmen, indem sie den Abstand vom Nordpunkt (= Azimut; heutzutage aber vom Südpunkt aus) und die Höhe über dem Horizont (= Altitude) als Winkel ausmaßen. Das entspricht den Koordinaten unseres Horizontalen Koordinatensystems.