Steinkreise

Dresch- oder Versammlungsplätze, Windrosen, Kalender- oder Kultplätze?

…..Auf den Kanarischen Inseln gibt es sehr viele Steinkreise. Jedoch sind diese nicht, wie beispielsweise auf den Britischen Inseln oder in der Bretagne, aus einzeln stehenden großen Steinen oder Menhiren errichtet, sondern meistens wurden natürlich vorkommende niedrige Steine zum einem geschlossenen Kreis aneinander gelegt oder auch eingegraben. Zudem wurde die Innenfläche häufig waagrecht angelegt und gepflastert.
Die meisten dieser Steinkreise wurden im letzten Jahrhundert noch als Dreschplätze genutzt. Doch einige könnten auch eine andere Funktion gehabt haben.

Dieser Tafelberg wurde von den Ureinwohnern Argodey, Heiliger Berg, genannt.…..Auf La Gomera gibt es einen besonders auffälligen Tafelberg, La Fortaleza de Chipude, der von den Ureinwohnern >Argodey< oder >Heiliger Berg< genannt wurde. Auf dem Felsplateau und in dessen Umfeld befinden sich zahlreiche archäologische Fundstätten.
Era beim La Fortaleza de Chipude, GomeraIn der Nähe vom Aufstiegsort existiert ein sogenannter Era, ein Dreschplatz, auf dem Kühe das Korn aus dem Getreide “getrampelt“ haben. Er ist am besten zu sehen, nachdem man die Felsen von La Fortaleza erklommen hat. Ein Muster in der Steinpflasterung unterteilt den Kreis in acht Segmente.
Da man durch die Hanglage nur einen beschränkten Weitblick hat, könnte dieses Muster als Windrose genutzt worden sein, um das Wetter vorher zu sagen.

Dreschplatz auf Gomera…..Im Norden von Teneriffa, oberhalb von San Juan del Reparo fanden wir einen Steinkreis mit ebenfalls einer größeren Steinplatte als Mittelpunkt, von der aber sehr viele Linien strahlenförmig ausgehen. Durch den Bewuchs konnten wir nur für zwei markante Geraden ziemlich exakt 90° Ost und 180° Süd ermitteln.
Einer der fünf Eras del Volcán in El Tanque.Im Nachbarort El Tanque, im Ortsteil Barrio Nuevo, gibt es eine Gruppe von fünf >Eras del Volcán<, deren Steinböden ebenfalls strahlenförmig gepflastert wurden.Ein alter Dreschplatz

 

 

 

 

…..Auf La Palma konnte wegen des Wassersegens reichlich Getreide angebaut werden und daher waren ebenfalls viele Dreschplätze nötig. Einige befinden sich erstaunlicherweise auch abseits oder weit oberhalb der Felder. Das innere dieser Steinkreise ist häufig unter einer dicken Humusschicht oder Kiefernnadeln begraben.

Der sogenannte Era de Las NarcisesDer Era de Las Narcises (Tijarafe) wurde in einen Abhang gegraben, weshalb eine Stützmauer notwendig war, um eine halbwegs ebene Fläche zu erhalten. Merkwürdig ist, dass in der scheinbar ungeordnet aufgeschichteten Mauer, etwa in der Mitte eine fast senkrechte Fuge erscheint.
In der Nähe des Platzes sind einige Ruinen von Hütten und eine kleine Höhle zu finden. Und dort oben verläuft, über einen schmalen windigen Grat, entlang der Steilwand des tiefen Barrancos de Jieque, ein Weg, von dem man auch zum Rand der Caldera de Taburiente gelangen kann.
Era de Las Narcises mit VisierlinienUm nachzuschauen,
ob der Boden auch strahlenförmig gepflastert ist oder ein Mittelpunkt markiert wurde, müsste man die 20 cm dicke Nadelschicht entfernen. Doch auch wenn keine Hilfslinien zu sehen sind, fallen hier drei markante Öffnungen im Steinkreis auf. Als hier noch keine Kiefern wuchsen, konnte man vielleicht vom Mittelpunkt aus den Südpunkt anpeilen oder von der Mitte der Steinmauer, durch die beiden anderen Öffnungen die Sonnenuntergangsorte zur Wintersonnenwende und den Westpunkt.
Neben den Visieröffnungen sind jeweils Steine mit einer größeren flachen Oberfläche eingebaut worden, die auch als Sitze geeignet sind.
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…..Eigentlich sind Sitzplätze im Außenrand eines Steinkreises ein Merkmal für einen sogenannten Tagoror; einen ebenen runden Platz mit einer Steineinfassung, auf dem sich aus der jeweiligen Region der Rat der Ureinwohner versammelte.
…..Könnte es sich daher beim Era de Las Narcises nicht eher um einen Tagoror mit Kalenderfunktion handeln, als um einen Dreschplatz?
…..Vereinen manche Steinkreise eventuell mehrere Nutzungsmöglichkeiten?

Folgende Steinkreise könnten beispielsweise auch eine astronomische Bedeutung haben:

Llano Grande, Tijarafe

Llano Grande, Tijarafe

 

Llano de Cruz, Tijarafe

Llano de Cruz, Tijarafe

  Tagoror auf dem Lomo de los Conejos, Montaña de Tamarahoya, El Paso, La PalmaAuf dem letzten Foto sehen wir einen Tagoror auf dem Montaña de Tamarahoya, El Paso. Der dicke Stein im Vordergrund könnte, ebenso wie die beiden auf der anderen Seite, deren komplette Oberfläche abgeflacht und gemuldet ist (Opfersteine?), bestimmte Himmelsrichtungen markieren. Das gleich gilt für die angrenzende Hausruine. – Leider hatten wir bei dieser Wanderung keinen Kompass dabei. – Dieser Tagoror befindet sich nahe am Barranco de Los Torres, einer großen und archäologisch sehr interessanten Schlucht.
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…..Kann man auf einigen dieser gepflasterten Steinkreise Brandspuren nachweisen? Könnten einige vielleicht auch als einigermaßen ungefährliche Feuerplätze genutzt worden sein, um per Feuer- oder Rauchzeichen eine Nachricht zu verbreiten? Bestand zwischen dem ein oder anderen der Plätze früher Sichtkontakt?


Wo genau befand sich der Tagoror beim Wohnhaus des IAC und hatte er auch astronomische Auffälligkeiten (Iruene 2012: Aguanes, página 47, El Baladero del Salón Colorado)?