Einige der wichtigsten Deutungen

…..  In den ältesten Interpretationen waren die Felsgravuren nur „reine Kritzeleien, zufällige Spielereien oder die Phantasieerzeugnisse der barbarischen Ureinwohner (Viera y Clavijo, 1772-1773; 1950; [1]). „Am 6. August 1794 bemerkte der weise Bischof Antonio Tavira y Almazán in den Zeichnungen von Belmaco, dass … diese Schriftzeichen von phönizischen Abenteurern erstellt worden sein könnten” (Hernández Pérez, 1972; [2]). Auch erhoben sich viele Stimmen, dass die Petroglyphen gar nicht aus vorspanischer Zeit seien, sondern von europäischen Einwanderern erstellt worden wären, was aber einer chronologischen Untersuchung nicht standhält (Calvet 2007; [3]). Luis Diego Cuscoy (1955; [4]) sah in den Ideogrammen auch Wasser mit topographisch bedingten Erscheinungsformen und magischen Eigenschaften. „Für Antonio Beltrán (1971; [5]) gehören die Felsgravuren in den cabocos (= felsiger Absatz in einer Schlucht) und barrancos (= Schlucht) zu einem Wasserkult, während die in freiem Gelände eine Beziehung zu Sonnenkulten haben. Betreffs ihrer Chronologie hat dieser Typ von Gravuren eine Verbindung zu denen im atlantischen Europa des 2. Jahrtausends vor Christus, eine Meinung die schon im vergangenen Jahrhundert von Gregorio Chil y Naranjo (1876; [6]) formuliert wurde und die von aktuell von fast allen Forschern der kanarischen Frühgeschichte geteilt wird” (Millares Torres 1861; 1977; [7]). Einen Zusammenhang mit dem Sonnenkult sah auch Juan Álvarez Delgado (1941; [8]). Ebenso meinen einige, dass unter der Vielzahl an Symbolen astronomische Zeichen, Sonnenwendriten oder Metaphern für Geburt und Sterben sein könnten. Andere sahen in den Gravuren den Umfang von Weideflächen, Grenzen von Eigentum oder Lagerplätze, sowie Wegführungen veranschaulicht. 1977 fiel Mauro Hernández Pérez [9] auf, dass viele Felsgravuren in der Nähe von den Plätzen waren, wo Hirten sich versammelten, um ihr Vieh zu tränken, um es in cabocos einzusperren oder um es zu Weiden zu führen, in deren Nähe sich der Hirte an einen erhöhten Ort begab, von dem aus er das Vieh überwachen konnte. … Zuletzt betonten Jorge Pais Pais und Antonio Tejera Gaspar (2010; [10]), dass unter den vielen Petroglyphen jene hervortreten, die eine Verbindung zu Wasser haben. Und obwohl sie einige Male mit einem Fruchtbarkeitskult und auch mit einer imaginären Gottheit der Quellen und des Wassers verbunden werden, meinen die beiden Archäologen, dass es sich eher um Rituale mit der Bitte um Regen handelt.
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…..  Vermutlich treffen viele dieser Thesen zu, da es eine große Anzahl von Symbolen an unterschiedlichsten Orten gibt und dadurch können durchaus auch sehr verschiedene Bedeutungen existieren. Ebenso sind weitere Interpretationen möglich, da neben den beschriebenen geometrischen Motiven auch ganz andere Formen sowie Schriftzeichen eines Berbervolkes vorkommen.
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[1] Viera y Clavijo, José de. (1772-1773) 1950. Historia de Canarias. Noticias de la historia general de las Islas Canarias. Goya-Ediciones. Santa Cruz de Tenerife. Tomo I. Pág. 146. (Dies ist sein Hauptwerk auf dem Gebiet der Geschichte, das 1772–1773 erschienen ist.)

[2] Hernández Pérez, Mauro S. 1972. Contribución a la Carta Arqueológica de la isla de La Palma (Canarias). Anuario de Estudios Atlánticos, XVIII. Madrid – Las Palmas. Pág. 573.
[3] Calvet, Carlos. 2007. Geschichte und Mythen der Kanaren. Spuren einer längst untergegangenen Kultur. Bohmeier Verlag. Seite 138.
[4] Diego Cuscoy, Luis. 1955. Nuevas consideraciones en torno a los petroglificos del ‘caboco’ de Belmaco (Isla de La Palma). Revista de Historia Canaria. Tomo XXI. Número 109-112. La Laguna de Tenerife. Digitalización realizada por ULPGC. Biblioteca Universitaria, 2007.
[5] Beltrán Martínez, Antonio. 1971. El arte rupestre canario y las relaciones atlánticas. Simposio Internacional sobre posibles relaciones transatlánticas precolombias. Anuario de Estudios Atlánticos XVII, Madrid – Las Palmas. Págs. 281-306.
[6] Chil y Naranjo, Gregorio. 1876. Estudios históricos, climatológicos y patológicos de las Islas Canarias I. Historia. Las Palmas de Gran Canaria, Ernest Leroux Libraires Editeurs. Digital Copy by Google Book Search.

[7] Millares Torres, Agustín. (1861) 1977. Historia General de las islas Canarias, Tomo I- IV. Edirca. Santo Cruz de Tenerife. Tomo I. 329.
[8] Álvarez Delgado, Juan. 1941. Miscelánea guanche, I. Miscelánea guanche, Benahoare. Ensayos de lingüistica canaria. Santa Cruz de Tenerife. 1941. Pág. 88.
[9] Hernández Pérez, Mauro S. 1977. La Palma prehispánica. El Museo Canario, Las Palmas de Gran Canaria.
[10] Pais Pais, Felipe Jorge / Tejera Gaspar, Antonio. 2010. La Religión de los Benahoaritas. Santa Cruz de La Palma. Págs. 76-77.
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