Archäologische Spuren

…….Die Benahoaritas … ließen sich in der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends vor Christus auf La Palma nieder. Das bedeutet, dass sie über 2000 Jahre hier lebten und ihre Kultur entwickelten. Entsprechend zahlreich und vielfältig sind denn auch die Reste, die sie hinterlassen haben, archäologische Spuren von unschätzbarem Wert. Gegenwärtig sind über 3000 Fundstellen bekannt, und das, obwohl die archäologische Karte der Insel erst zu 60 % fertig gestellt ist.
…….Zu den interessantesten Fundstellen zählen zweifelsohne die unzähligen Wohnhöhlen in den Flanken der vielen Schluchten und Wasserläufe, die es auf La Palma gibt. Hierzu kommen noch die relativ großen Hüttendörfer, die auf den flachen Bergrücken und in den Senken der Südhälfte der Insel lagen. Interessant sind diese Fundstellen aufgrund ihrer mächtigen, teilweise über sieben Meter hohen Stratigraphien, wie man sie sonst nirgendwo auf den Kanaren findet. … Die Guanchen kannten die Umwelt, in der sie lebten sehr gut und wussten sie optimal zu nutzen, um Rohstoffe für die Anfertigung der zahlreichen Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu gewinnen. So stellten sie beispielsweise wunderschöne Tongefäße her sowie eine breite Palette von Utensilien aus Stein, Knochen und Muschelschalen. Wahre Meister waren sie in der Verarbeitung von Holz und Leder. Ihre Toten setzen sie in Begräbnishöhlen unterschiedlicher Größe bei. Neben Einzelgräbern findet man auch große Nekropolen, in denen die Reste von bis zu 20 Menschen Platz fanden. Beerdigt wurden die Toten mit vielen Grabbeigaben … . Wichtige Persönlichkeiten wurden mumifiziert oder einbalsamiert. Daneben war den Guanchen auch die Kremation bekannt.
…….Unter den archäologischen Resten mit magisch-religiöser Bedeutung gilt es die Felsritzzeichnungen zu erwähnen, die >Pyramiden< oder Steinhaufen und die in Steinblöcke geritzten Rinnen und Sammelbecken.
…….Die Felsritzzeichnungen werden in drei Typen unterteilt:    A.) Geometrische Formen, welche die Mehrheit der Funde ausmachen. Am häufigsten sind Spiralen, konzentrische Kreise und Halbkreise sowie Mäander. Man bringt sie mit Riten zur Anbetung des Wassers, der Göttin der Quellen und der Sonne und speziell zur Bitte um Regen in Verbindung oder interpretiert sie als Abgrenzung der Weiden und Markierung der Viehwege.    B.) Kreuz- und schiffsförmige Zeichen, die gemäß den meisten Forschern während oder erst nach der Eroberung der Insel entstanden sind.    C.) Buchstaben ähnliche Formen. Es handelt sich um Tifinagh-Zeichen, von denen nur drei in der Höhle Cueva de Tajodeque bekannt sind.
…….Die in Tuffsteinblöcke geritzten Rinnen und Sammelbecken, die sogenannten Canalillos und Cazoletas, findet man in der Regel an erhöhten Stellen, die einen Ausblick auf flaches und offenes Gelände bieten. Sie werden in Verbindung mit Riten gebracht, die der Bitte um Regen galten. …
…….>Pyramiden< finden sich lediglich auf den in der Nähe des Grats der Caldera de Taburiente liegenden Sommer- und Gemeinschaftsweiden. Es handelt sich um einfache Steinhaufen, deren Rand mit in den Boden gerammten Steinplatten abgesteckt ist und die dann mit kleineren Felsbrocken und Steinen aufgefüllt wurden. In ihrem Innern findet man oft Opfergaben wie Steinwerkzeuge, Keramikscherben und Felsritzzeichnungen. Ihr Grundriss ist oval, kreisförmig, rechteckig, etc. und nur selten mehr als vier Meter groß. Sehr wahrscheinlich standen sie in Zusammenhang mit Riten, die den Übergang vom Jugend zum Erwachsenenalter markierten” (Pais Pais, 2006; [1]).

 

…….„Von dieser zeitlich so nahen Kultur verbleiben uns nur die dauerhaftesten Elemente, möglicherweise, weil ihre Kenntnisse mündlich übertragen, und nicht von den Chronisten jener Zeit aufgezeichnet wurden. Die Eroberung der Insel zog stillschweigend die Auferlegung der christlichen Religion mit sich und diese duldete keinerlei anderen Kult oder heidnische Riten. Außerdem nahm mit der massiven Ankunft von Neusiedlern der Anteil der Ureinwohner ab, die rasch in der neu angekommenen Bevölkerung untergingen.
Die Sprache verschwand, es überleben jedoch noch einige wenige Ortsnamen und vereinzelte Wörter” (O. A. Parques Nacionales, 2008; [2]).


[1] Pais Pais, Felipe Jorge. 2006. Archäologische Spuren. Die Wanderwege auf La Palma. Excmo. Cabildo Insular de La Palma. Seite 210-211.
[2] O. A. Parques Nacionales. 2008. Führer für den Besuch des Nationalparks der Caldera de Taburiente. Seite 70.

 

 

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