Die goldenen Sterne zeigen die Himmelsmechanik

„Zur Untersuchung der Rohstoffherkunft der Himmelsscheibe und ihrer Beifunde wurden chemische und isotopische Analysen durchgeführt. Diese Analysen ergaben, dass sowohl Scheibe als auch Beifunde aus einem Kupfer gefertigt wurden, das dem aus dem Ostalpenraum sehr ähnlich ist. Besonders gut ist die Übereinstimmung mit Rohkupferbarren, wie sie in direkter Nähe des berühmten prähistorischen Kupferbergwerkes auf dem Mitterberg (Salzburger Land) gefunden werden.
Entgegen ursprünglicher Vermutungen, dass das Gold aus Rumänien stamme, aufgrund des für die dortigen Lagerstätten typischen Silberanteils von 20%, konnte im Sommer 2010 mit neuen geochemischen Verfahren und einer vorangegangenen umfangreichen Lagerstättenanalyse nachgewiesen werden, dass das Gold der Himmelsscheibe aus Cornwall stammt.“ [1]

1. Herstellungsphase

1. Herstellungsphase

„Die Himmelsscheibe wurde aus einem Bronzefladen mit 2,5% Zinnanteil kalt geschmiedet um ein weiches Material zu erhalten, in das der Schmied kleine Wälle meißeln konnte, die danach über den Rand der vorgesehenen Goldblechauflagen zurückgetrieben wurden. Es wurden in dieser ersten Phase ein Vollkreis, eine Sichel und 32 kreisrunde Sternensymbole aus derselben silberreichen Goldzusammensetzung angebracht.“ [2]

Die materialkundlichen Untersuchungen belegen, dass die Himmelsscheibe vor ihrer Deponierung um 1.600 v.Chr. mehrfach umgestaltet wurde.


 

[1] Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Rohstoffherkunft, http://www.lda-lsa.de/de/himmelsscheibe_von_nebra/naturwissenschaftliche_untersuchungen/rohstoffherkunft/
[2] WUNDERLICH, Christian Heinrich. 2005. Vom Bronzebarren zum Exponat- Technische Anmerkungen zu den Funden von Nebra. Der geschmiedete Himmel. Herausgeber Harald Meller.


Himmelskarten und Himmelsrichtungen

„Durch die Drehbewegung der Erde scheinen viele Sterne im Osten auf und im Westen unter zu gehen. Tag und Nacht entstehen. Der Anblick des Sternenhimmels verändert sich langsam je nach Zeitpunkt, Minute, sowie Jahreszeit und Standort auf dem Breitengrad. Am selben Ort und zur selben Stunde tauchen am Himmel Sterne auf, die noch einige Monate zuvor entweder überhaupt nicht, oder erst sehr spät, zu sehen waren. Einige Konstellationen lassen sich nur zu bestimmten Jahreszeiten beobachten, daher spricht man auch vom Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterhimmel. Das liegt daran, dass die Erde die Sonne in einem Jahr umrundet und sich die scheinbaren Drehbewegungen des Fixsternenhimmels dann erst wiederholen.
Daher war es sicherlich auch schon früher notwendig, die Bewegungen der Gestirne in irgendeiner Form im Jahreslauf zu notieren.
Und deshalb ist es ist auch heute nicht möglich, eine Sternenkarte zu zeichnen, die für jede Stunde der Nacht und jede Jahreszeit ihre Gültigkeit hat, denn für jede Minute, jede Jahreszeit und jeden Breitengrad ließen sich tausende verschiedene Karten zeichnen. Wir haben verschiedenste Sternenkarten, meistens sphärische Projektionen, die immer nur genau den Ausschnitt des Himmels für eine Minute eines bestimmten Tages zu einer Jahreszeit und für einen definierten Ort zeigen oder es ist eine zylindrische Projektion des Sternenhimmels, mit der alle sichtbaren Sterne dargestellt werden können.“
[3]

Da man den dreidimensionalen Himmel nur zweidimensional zeichnen kann, gibt es heutzutage keine Sternenkarte, bei der die Strecken-, Flächen- und Winkeldarstellungen zum wirklichen Erscheinungsbild passen. In der Natur hingegen sind die Figuren der einzelnen Sternbilder und Konstellationen am besten in ihren Kulminationen südlich oder nördlich über dem Horizontrand zu beobachten. Diese sichtbaren Formen wurden dann vermutlich in eine vorgeschichtlichen Himmelskarte möglichst exakt übertragen, wobei die Verbindung von einem Punkt zum anderen immer in geraden Linien verläuft. — Dies ist aber in unseren Sternenkarten nicht der Fall, denn die Form der Sternbilder passt sich der jeweiligen Projektion an!

Was die Himmelsrichtungen betrifft, so könnten die Gestirne auf einer Himmelskarte am besten vom Standort eines aufrecht stehenden Beobachters aus in Blickrichtung zum Horizontkreis eingezeichnet worden sein, was unseren Landkarten entspricht. In unseren heutigen Himmelskarten ist jedoch der Osten mit dem Westen vertauscht worden, da wir diese Karten jeweils unserer Blickrichtung entsprechend gedreht über unseren Kopf halten sollen, damit wir den gesamten Himmel mit alle seinen unterschiedlichen Bewegungen komplett wahrnehmen können. Wenn wir diese Himmelskarten nicht drehen würden, würden die gegenüberliegenden Sternbilder falsch herum zu sehen sein und wir könnten sie eventuell nicht erkennen.

Der Schöpfer der Himmelsscheibe hat natürlich auch den kompletten Himmel wahrgenommen, nur wollte er vielleicht mehrere Bewegungen der Gestirne, die zudem in verschiedenen Jahreszeiten zu beobachten waren, in einer einzigen Himmelskarte darstellen. Daher könnte er den verschiedenen Himmelsausschnitten Teilbereiche der Himmelsscheibe zugewiesen haben sowie unterschiedliche Darstellungsmethoden in einem Bild miteinander kombiniert und logisch verknüpft haben.


[3] Zum Teil aus: Das große Buch der Astronomie. Kaiser Verlag.


Horizontale und vertikale Himmelsdarstellungen

Sofort beim ersten Anblick der Himmelsscheibe von Nebra erkennt jeder, dass es sich um eine Darstellung des Himmels handeln muss. Dabei wird, wie nachfolgend beschrieben, der Horizont einmal als liegender Vollkreis und zweimHorizontnahe Sterne der Himmelsscheibeal als liegender Halbkreis zusammen mit dem jeweils darüber liegenden halben Himmelsgewölbe betrachtet.

1.) Horizontkreis: Stehen wir in einer weiten Landschaft, dann nehmen wir die Erdoberfläche um uns herum als einen liegenden Kreis wahr, der scheinbar am Horizont endet. Ebenso könnten wir uns gedanklich in die Mitte der Himmelsscheibe von Nebra stellen und unseren Blick zum Rand der Scheibe richten, zum imaginären Horizont, an dem wir zu unterschiedlichen Zeiten den Auf- und Untergang der Gestirne beobachten könnten.
In dieser Abbildung stellen wir uns die Himmelsscheibe als eine >Aufsicht< auf die Himmelshalbkugel mit der darunter liegenden Erde vor, wobei uns nur die Sterne mit ihrem Auf- und untergangsorten interessieren, die vom zentralen Beobachtungspunkt in Blickrichtung zum >Horizont< durch dünne hellgrüne Linien angedeutet sind.

2.) Blick nach SüdenIn der Mitte der Himmelsscheibe verläuft auch eine gedanklche Horizontlinie, von der wir in das südliche und nördliche Himmelsgewölbe schauen.: Auf der Himmelsscheibe ist aber auch die dritte Dimension, der Bogenlauf der Gestirne in die Höhe erfasst worden. Aufgrund der Stellung des Wintersechsecks mit Capella an der Spitze könnte der Südpunkt auf der Himmelsscheibe von Nebra auch in der Ferne mittig zwischen Osten und Westen liegen. Alle anderen Sterne oberhalb des Südpunktes stehen somit schon nördlicher. Am linken Rand der Scheibe gehen die Gestirne auf, erreichen im Süden ihren Höchststand und gehen am rechten Rand, symmetrisch zum Aufgangsort, wieder unter. Sie ziehen in Parallelkreisen um den Südpunkt.
Zwar stehen wir wieder gedanklich im Mittelpunkt des Horizontkreises, aber
diesmal schauen wir in das südliche Himmelsgewölbe, in diesem Fall zur vertikal stehenden, halbierten Himmelsscheibe, wo in Blickrichtung Süden mindestens eine Momentaufnahme einer größeren Sternenkonstellation dargestellt ist.

1. Phase Blickrichtung Norden png3.) Blick nach Norden: Drehen wir uns um 180 Grad liegt der Nordpunkt vor unseren Füßen und alle darüber ziehenden Sterne stehen dann zugleich schon wieder südlicher. In dieser Richtung sehen wir vor allem die Zirkumpolarsterne, die nie untergehen und in immer gleichen, parallel laufenden Vollkreisen um einen damals sternenlosen und daher unsichtbaren Mittelpunkt der Himmelshalbkugel, den Nordpol, kreisen.

Wollen wir die hier gezeigten goldenen Symbole bestimmten Sternen zuordnen, müssen wir ihre fixen Stellungen auf der Himmelsscheibe miteinander vergleichen und die Differenzen ihrer Kreisbahnen ermitteln.


Die 7er Sternengruppe

Die Interpretationsansätze über die Bedeutung der Sterne sind weitläufig. Die bekannteste Interpretation der Himmelsscheibe von Prof. Wolfhard Schlosser (Ruhruniversität Bochum [4]) zeigt zum Beispiel, dass die Verteilung der Sterne nicht einer reinen Zufallsverteilung entspricht, sondern relativ gleichmäßig und daher bewusst erfolgte. Ebenso spricht die Verlegung eines Sternes, durch die in der 2. Herstellungsphase ergänzten Horizontbögen, eindeutig dafür, dass die Verteilung der Sterne bedeutungsvoll ist. Bei den goldenen Symbolen auf der Bronzescheibe handelt es sich laut Professor Schlosser um eine Mondsichel, die Plejaden und um den Vollmond. Alle anderen Sterne sollen nur einen abstrakten Sternenhimmel abbilden.
Ebenso spricht die Verlegung eines Sternes durch einen in der 2. Herstellungsphase ergänzten Horizontbogen eindeutig dafür, dass die Verteilung der Sterne bedeutungsvoll ist. Dieser Sterne war, nach meiner Interpretation und sofern diese richtig ist, vor allem wichtig um auch eine imaginäre Horizontlinie zwischen den Sterne im Ost- und im Westpunkt zu definieren.
.
Der sternbildfreie Himmel betont das einzige auf der Scheibe angebrachte Sternbild, das Siebengestirn der Plejaden, das zwischen Sichel und Vollmond steht, umso stärker. Die bei Hesiod erwähnte Bedeutung der Plejaden für die Bestimmung des Zeitpunktes von Aussaat und Ernte stellt auch im Fall der Himmelsscheibe die überzeugendste Interpretation dar. Sichelmond und Vollmond mit Plejaden stehen jeweils für zwei Daten der Plejadensichtbarkeit am westlichen Himmel, den 10. März und den 17. Oktober. Die astronomische Beobachtbarkeit dieser entscheidenden Rahmendaten des bäuerlichen Jahres waren wahrscheinlich seit dem Beginn der Jungsteinzeit, also fast 4000 Jahre vor der Zeit der Himmelsscheibe bekannt. Allerdings wurde dieses Wissen bildlich erstmals auf der Scheibe fixiert.” [5]
Diese Deutungen wurden durch eine babylonische Schaltregel von Rahlf Hansen (Planetarium Hamburg) erweitert: „Konkret bedeutet die Regel, dass man einen Schaltmonat einfügen muss, wenn man einen Mond sieht, der so dick ist wie die Mondsichel auf der Nebra-Scheibe und nahe den Plejaden am Firmament steht. Damit wurden Sonnen- und Mondjahr in Deckung gebracht, und die beiden Kalendersysteme gerieten nicht aus dem Takt.“ [6]
Tor der Ekliptik

Harald Gränzer hat in seiner Theorie >Das goldene Tor der Ekliptik< folgende Überlegung: „Auf der Himmelsscheibe von Nebra sind wenigstens zwei Sternbilder zu erkennen, und zwar die Plejaden, sowie die Hyaden. Sie bilden das Tor der Ekliptik, durch das im Laufe der Zeit alle Wandelsterne passieren.“ [7]

Zudem gibt es eine weitere denkbare Bedeutung der Sternengruppe:

Das Secheck auf der Himmelsscheibe von Nebra stellt auch das Wintersechseck mit einem äußeren Planeten dar.

Auf der Himmelsscheibe von Nebra könnte anstelle der Plejaden auch ein Sechseck neben dem Meridian (der Nord-Süd-Linie) und etwa in der Mitte ein weiterer Stern zu sehen sein.
In der Spitze erscheint der Stern Capella aus dem Fuhrmann. Darunter folgen Pollux / Zwillinge und Aldebaran / Stier. Zwischen diesen beiden Tierkreisbildern verläuft die in der Computerkarte rot dargestellte Ekliptik, in deren Nähe alle Planeten, der Mond und auch die Sonne ihre Bahnen ziehen. Der mittlere, siebte Stern könnte demnach eher ein Planet und nicht der Stern Beteigeuze aus dem Orion sein.
Als nächstes sind darunter die Sterne Procyon / Kleiner Hund und Rigel / Orion zu sehen, während Sirius / Großer Hund die südliche Spitze bildet.

(Noch einmal zur Erinnerung: In der stereographischen Computerkarte stimmen die Winkel der Sternbilder, aber dafür leider nicht die Abstände, die zum Rand hin immer größer werden. Das liegt daran, dass ein dreidimensionales Ereignis immer nur zweidimensional dargestellt werden kann.)

Trotzdem sind die Winkel der sechs Sterne, die in der Computerkarte in der Nähe des Meridians stehen, dem Sechsecks der Himmelsscheibe sehr ähnlich!
Durch die Winkel und die Stellung des Sechsecks auf der Bronzescheibe in unserem definierten Süden können wir nun annehmen, dass die Scheibe liegend (dann ging man um sie herum) oder senkrecht gehalten wurde (dazu drehte man sie je nach Blickrichtung, Süden oder Norden, um 180 Grad).

Es scheint als wenn die 7er-Sternengruppe gezielt zwei Deutungsmöglichkeiten anzeigen soll: Einmal die auffällige Plejadenformation, aber gleichzeitig auch das große Wintersechseck, wobei der Stern in der Mitte dann vielleicht doch keinen Planeten symbolisieren sollte, sondern nur die Funktion hatte, die Gedanken auf die Plejaden zu lenken.


[4] SCHLOSSER, Wolfhard. 2005. Die Himmelsscheibe von Nebra – Astronomische Untersuchungen. Der geschmiedete Himmel. Herausgeber Harald Meller.
[5] MELLER, Harald. 2005. Die Himmelsscheibe von Nebra. Der geschmiedete Himmel. Herausgeber Harald Meller.
[6
] MELLER, Harald / SCHOSSER, Wolfhard / HANSEN, Rahlf. Scheibe von Nebra war erste astronomische Uhr. www.planetarium-hamburg.de/sterne/nebra/
[7] GRÄNZER, Harald. Das goldene Tor der Ekliptik. www.analogika.info/nebra/interpret.html


Sterne in der Nähe der Ekliptik

Unser Sonnensystem ist eine imaginäre flache Scheibe, in deren Zentrum die Sonne liegt und in dieser Scheibe verläuft die Ekliptik. Tatsächlich ist die Ekliptik, die immer gleich bleibende wahre Bahn der Erde um die Sonne. Aber von der Erde aus gesehen erscheint sie, aufgrund der Neigung der Erdachse, als veränderliche Bahn der Sonne, die die Erdumlaufbahn zweimal im Jahr schneidet. Dabei summieren sich die halbjährlich steigenden und sinkenden Sonnenläufe zu einem breiten Band vor dem, vom Sonnenlicht überstrahlten und daher erst in der Dämmerung sichtbar werdenden, Tierkreishintergrund mit den Planeten.

Laut Professor Wolfhard Schlosser definieren die zwei goldenen Horizontbögen, die in einer zweiten Herstellungsphase angebracht wurden, die Pendelbereiche der Sonnenauf- und Untergänge am Horizontkreis.
D
ie Enden dieser Horizontbögen zeigen,
für den 51 – 52 Breitengrad zutreffend, den parallel gespiegelten Sonnenauf- und Untergang an den Sonnenwenden an.


Die 2 Inneren Planeten sind in Horizontnähe und die 3 Äußeren hoch am Himmel zu sehen.Stellen wir uns gedanklich in die Mitte der Himmelsscheibe, so könnte ihr Rand den scheinbaren Horizont
symbolisieren.
Die sechs in der Zeichnung orange markierten Sterne könnten ungefähr die Enden der Extremstellungen der Ekliptik anzeigen, die in vielen Nächten wahrgenommen werden konnten. Zu den Sonnenwendterminen waren damals nachts die Schrägstellungen des Tierkreises zu sehen. Ein Stern zeigte den Anfang der Ekliptik an der östlichen Seite an und ein anderer Stern, etwa zeitgleich und diametral gespiegelt, das westliche Ende: Deneb Algedi / Steinbock + Regulus / Löwe sowie Castor / Zwillinge + Nunki / Schütze. Die Hoch- und Flachstellungen des Tierkreises an den Tag-und-Nacht-Gleichen wurden vermutlich nur durch zwei Sternensymbole direkt vor den Ost- und Westpunkten dargestellt, da diese Sterne ungefähr an denselben Visierpunkten zu beobachten waren: Spica / Jungfrau + Hamal /Widder, sowie Hamal / Widder + Zubenelgenubi /Waage.
Da jedoch die hellsten Sterne des Tierkreises in unterschiedlicher Entfernung von der Ekliptik stehen, können sie mit den Positionen der Sonne am Horizontrand nie ganz übereinstimmen.
Ebenso kann eine charakteristische Topographie, am Horizont des Herstellungsortes der Himmelsscheibe, für eine leicht nördliche oder südliche Verschiebung der goldenen Sterne verantwortlich sen.

Für die Beobachtungen der Tierkreisstellungen reichten Markierungspunkte in Richtung Horizont aus, die in einer Linie hintereinander auf das Zielobjekt errichtet wurden.
Anzumerken ist, dass die hellsten Sterne des Tierkreises überhaupt nur von Bedeutung waren, weil sie als Hintergrund dienten, um die Bahnen der Sonne, des Mondes und der Planeten zu beobachten, die von der Erde aus gesehen
scheinbar veränderlich sind.



Die fünf Planeten

Die fünf mittleren goldenen Sterne der Himmelsscheibe, hier grün markiert, kDie 5 mit bloßem Auge sichtbaren Planetenönnten die fünf mit bloßem Auge sichtbaren Planeten darstellen. Zwei Sterne sind nahe des goldenen Vollkreises am östlichen Horizontrand zu sehen, während drei weitere zwischen jenem mutmaßlichen Sonnensymbol und der Mondsichel, näher zum Mittelpunkt der Scheibe und somit höher am Himmel stehen.

„Die Umlaufbahnen der Planeten und die des Mondes befinden sich in der Nähe der scheinbaren Sonnenbahnen, wodurch sie wie Perlen entlang der Ekliptik aufgereiht erscheinen. Blicken wir nach Süden wandern scheinbar alle Gestirne durch die Erddrehung von Ost nach West. Wenn wir uns Sterne des Tierkreises in der direkten Nähe von Sonne, Mond und oder Wandelsternen merken, ist meistens zugleich eine minimale Bewegung nach Osten, nach links, zu erkennen. Am deutlichsten fällt diese sogenannte >Rechtläufigkeit< der Planeten auf, wenn sie nach ihren unsichtbaren Phasen über den hellen Tageshimmel ein größeres Stück weiter östlich auf der Ekliptik wiederzufinden sind. Hin und wieder scheinen sie sogar still zu stehen, bis sie schließlich mit dem täglichen Umschwung wieder ein Stück nach Westen wandern.

Alle Planeten umkreisen in unterschiedlichen Abständen die Sonne. Die Erde ist, von der Sonne aus gesehen, der dritte Planet. Merkur und Venus umrunden die Sonne daher innerhalb der Erdbahn, während Mars, Jupiter und Saturn, sie in größeren Radien außerhalb umrunden. Die beiden inneren Planeten sind auf ihren kleineren Kreisbahnen schneller als die Erde. Auch bei weitester gegenseitiger Entfernung stehen sie mit der Sonne immer im gleichen Himmelsquadranten (Himmelsviertel). Sie können nie in Opposition (Gegenstellung; Planet, Erde, Sonne) zur Sonne stehen, sondern sie pendeln immer in Horizontnähe um sie herum. So gesehen sind Merkur und Venus Planeten der Sonne. Der Merkur ist durch seine enge Bahn um die Sonne nur hin und wieder niedrig und kurz überm Horizont zu sehen. Die Venus hingegen geht bis zu vier Stunden nach Sonnenuntergang unter oder vor Aufgang auf. Somit ist sie als Abend- und Morgenstern viele Tage lang, hell strahlend, als einziger Stern auch in der Dämmerung und gelegentlich sogar am helllichten Tag als weißes Pünktchen zu sehen. (Anmerkung: Da auf der Himmelsscheibe von Nebra nur fünf Planeten gezeigt werden, müssen die Erscheinungen von Venus und Merkur als Abend- oder Morgenstern erkannt worden sein.)

Auch jeder äußere Planet hat ganz eigene charakteristische Bewegungen, die vor allem bei Jupiter und Saturn oft erst nach mehreren Tagen oder Wochen auffallen. Sie vollführen zudem seltsame >Planetenschleifen<, in denen sich ihre Helligkeit verändert. Da wir die Bahnen der äußeren Planeten >von innen< sehen, können sie niemals zwischen uns und der Sonne stehen. Sie beschreiben, wie Sonne und Mond, vollständige Kreisbahnen durch die gesamte Ekliptik und somit auch um die Erde. Daher können sie in der Mitternachtsstunde im Süden hoch über dem Horizont stehen, wo sie die Oppositionsstellung zur Sonne erreichen.“ [8]

Die beiden östlichen Sterne könnten somit die Inneren Planeten anzeigen und die drei Sterne zwischen der goldenen Kreisscheibe und der Sichel, die drei Äußeren Planeten.
.
Würde man die Verbindungslinien nicht zwischen den diametral gespiegelten Ekliptiksternen ziehen, sondern durch die diametral gespiegelt Enden Horizontbögen, die ja die Extremstellungen der Sonne am Horizont darstellen, würde das fünfte Planetensymbole soeben noch eine dieser Linien berühren. Dies könnte bedeuten, dass dem Astronom der Frühbronzezeit bekannt war, dass Planeten noch etwas über die Ekliptik (die mittlere Sonnenbahn) hinaus ihre Bahnen ziehen können.


[8] Text: KRAUL, Walter. 2004. Erscheinungen am Sternenhimmel und
                SCHULZ, Joachim. 1963. Rhythmen der Sterne.
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Sterne stellen die Extremstellungen des Tierkreises und die 5, mit bloßem Auge sichtbaren, Planeten dar


 

Zwei große Sternenkonstellationen

Blick nach Süden pngBlick nach Süden:
Bei den noch fehlenden hier rot markierten Sternen des südlichen Himmelsgewölbes handelt es sich um zwei ganz große Sternenkonstellationen.
Nehmen wir aufgrund des Wintersechsecks nun die Ost-West-Linie
der Himmelsscheibe als Erdhorizont an. Auf ihr steht der Beobachter, vor seinen Füßen liegt der Südpunkt und er schaut in das vertikal halbierte, südliche Himmelsgewölbe.

(Sternbilder bleiben in ihrer Form und in ihrem Abstand zueinander immer >fix<. Auf einer Computerkarte wirken sie leicht verzerrt, da ein dreidimensionales Ereignis zweidimensional dargestellt wird. In einer stereographischen Karte stimmen die Winkel, aber nicht die Abstände, die zum Rand hin größer werden.)

Wintersechseck, Deneb, VegaIn dieser Hälfte der Himmelsscheibe fehlt uns noch die Zuordnung der mit einem roten Kreis markierten Sterne.
Als erstes fallen dort sieben eng beieinander stehende Sterne auf, die ziemlich genau der Sternenkonstellation des Wintersechsecks entsprechen und der Stern in der Mitte könnte einen Äußeren Planeten symbolisieren. Zum Sechseck gehören: Capella / Fuhrmann, Pollux / Zwillinge, Aldebaran / Stier, Procyon / Kleiner Hund, Rigel / Orion und Sirius / Großer Hund, der die südliche Spitze bildet. Zeitgleich stand Vega / Leier genau im Nordpunkt und etwas weiter westlich war direkt am Horizont Deneb / Schwan zu erkennen. Diese beiden Sterne sah man jedoch nur, wenn man sich umdrehte und den Blick nach Norden wandte. Sie bildeten mit dem Sechseck eine, durch den Nordpunkt zeitlich exakt festgelegte, Nord-Süd-Konstellation.

Wenn wir nun die Himmelsscheibe betrachten, erkennen wir, dass die Konstellation der Sterne übereinstimmen könnte. Lediglich die Lage von Vega und Deneb am zuvor definierten südlichen Horizontrand irritiert. Wie wir jetzt feststellen können sind sie vermutlich dort angebracht worden, weil sonst ihre Zugehörigkeit zum Sechseck nicht zu erkennen gewesen wäre und sie am nördlichen Rand zudem die Bestimmung der acht Sterne im Norden verhindert hätten.

Großes Dreieck mit ProcyonNun fehlen uns auf der Himmelsscheibe in Blickrichtung Süden noch ein Dreieck und ein Stern im Westen kurz vor seinem Untergang.
In dieser Computerkarte ist ein entsprechendes, recht großes Dreieck aus besonders hellen Sternen zu sehen, das tatsächlich auch etwas größer als das Wintersechseck ist. Es besteht aus dem Stern Altair / Adler, der nahe dem Ostpunkt steht und dem fast im Zenit stehenden Arcturus / Bärenhüter auch Bootes genannt sowie dem niedrig im Südosten leuchtenden Antares / Skorpion.
Diese Formation erstreckt sich vom Osten bis zum fast höchsten Punkt auf dem Meridian, dem Zenit. In dieser winkeltreuen Karte ist die Dreieckskonstellation allerdings in der Größe, besonders zum Rand hin, etwas verfälscht zu sehen. Doch Form und Stellung passen sehr gut zum Dreieck der Himmelsscheibe.

Außer dem Dreieck ist auch ein gegenüber stehender, heller Stern sichtbar. Es handelt sich um den Stern Procyon / Kleiner Hund. Falls dieser Stern auf der Himmelsscheibe dargestellt ist, würde er eigentlich in die Nähe des Ostpunktes gehören, doch dort wäre seine Bedeutung nicht erkannt worden, da diese Position nach der bisherigen Interpretation schon von den Sternen der Extremstellung des Tierkreises, in seinen Hoch- und Flachstellungen, belegt ist. Wir sehen hier eine Ost-West-Konstellation, die kaum größer sein konnte und daher nur für einen kurzen Moment zu beobachten war, nämlich vom Aufgang des Altair bis zum Untergang des Procyon.

Betrachten wir nun beide Computerkarten zum südlichen Bereich der Himmelsscheibe fällt auf, dass jede Konstellation in einem Himmelsviertel dominiert, aber zusammen mit dem westlichen bzw. nördlichen Stern beherrschen sie jeweils eine Himmelshälfte und insgesamt das ganze Himmelsrund.
In keiner Nacht konnte man zuerst das komplette Dreieck im Osten und anschließend das Sechseck beobachten. Doch andersherum war dies in den langen Winternächten möglich.

In der ersten Himmelskarte sehen wir den Stern Procyon nahe am Meridian und in der zweiten Karte ist er gerade noch am westlichen Himmelsrand zu erkennen. Für diesen Bogenlauf braucht Procyon in einer Nacht auf die Minute genau 6 Stunden. (2x Procyon!)

Die Deklination von Procyon lag um 1950 v.Chr. bei 5,9° und von Altair bei 7,3°.
Die Deklination der Plejaden betrug 5,6° und in ihrer Nähe lag damals der Frühlingspunkt!
Somit gingen alle drei etwas
nördlich vom Ost- und Westpunkt auf und unter und somit verliefen ihre Bahnen in direkter Nähe parallel zum unsichtbaren Himmelsäquator. Sie konnten also sehr gut den ungefähren Verlauf des Himmelsäquators anzeigen.

Zwischen der Konstellation des Sechsecks und des Dreiecks vergehen exakt 6 Stunden.


Die Mittellinie des Sternenhimmels

Der komplette Ostwestbogen des Procyon zeigte für den nächtlichen Sternenhimmel etwa die Halbierung der Himmelskugel oder die Mittellinie des Sternenhimmels, sowie eine mittlere Zeitgrenze an. Und verfolgte man Procyons Lauf über den Himmel >malte< er etwa dieselbe Linie wie der mittlere Tagesbogen der Sonne an den Tag-und-Nacht-Gleichen. Der Großkreis des Himmelsäquators scheint demnach bekannt gewesen zu sein.

Somit ist der Himmelsäquator die vierte besondere und unsichtbare >Bogen-Linie< am Himmel, die dem Schöpfer der Himmelsscheibe bekannt gewesen sein könnte. Doch die Linien, die sich durch die vier Extremstellungen der Ekliptik ergeben und um die die Sonne, der Mond und die Planeten vor dem Tierkreishintergrund wandern, war sicherlich die spannendste.

Da an der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche vor allem die Sonnenauf – und Untergänge beobachtet wurden, war vermutlich auch bekannt, dass die Sonne an diesem Tag etwa unterhalb der Plejaden, im Tierkreisbild >Stier<, stand. Allerdings konnte man die Plejaden nicht sehen, da sie der strahlenden Sonne zu nahe standen. (Die lichtschwachen Plejaden sind laut Prof. Wolfhard Schlosser erst sichtbar, wenn diese 5° über und die Sonne 15° unter dem Horizont steht. Also Wochen vor der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche.)
Doch wenn die damaligen Sternenkundigen die Reihenfolge der hellsten und auffälligsten Sterne entlang des Großkreises des Himmelsäquators kannten (und eventuell auch etwa deren Abstände vermessen haben), könnten sie anhand dieser Sterne den Stern ermittelt haben, der an diesem Tag in direkter Sonnennähe stehen musste.
Somit könnte auch der Frühlingspunkt als Kreuzungspunkt der beiden Großkreise (Ekliptik und Himmelsäquator) bekannt gewesen sein.

Gibt es eine schönere Deutungsmöglichkeit für die goldenen Sterne auf der Himmelsscheibe, als diese, die den gesamten Himmel in all seinen unterschiedlichen Bewegungsabläufen darstellt?


Heliakischer Auf- und Untergang von Altair und Procyon

Im Jahreslauf eines jeden Fixsterns gibt es vier besondere Auf- und Untergänge. Sie wurden in vielen Ländern nachweislich schon sehr lange beobachtet, da man an ihnen Jahreszeiten oder Ereignisse festmachen konnte. Man brauchte zu einem gewünschten Termin nur einen der vielen helleren Sterne zu einer seiner ersten oder letzten Sichtbarkeitszeiten finden und schon war das Ereignis zeitlich auf den Tag genau festgehalten.

1.) Heliakischer Aufgang (griech. = zur Sonne gehörig; Morgenerst, Frühaufgang, Morgenaufgang).
Erstmalige Sichtbarkeit beim Aufgang eines Gestirns in der Morgendämmerung nach längerer Unsichtbarkeit, weil die Sonne ihm sehr nahe stand und ihn überstrahlte. Er ist nur wenige Minuten sichtbar, da der Himmelshintergrund zu hell wird. Sternenaufgang im Osten vor Sonnenaufgang im Osten; morgens.
2.) Akronychischer Aufgang (griech. = Anfang der Nacht; Abenderst, Spätaufgang, Abendaufgang).
Letzter sichtbarer Aufgang eines Sterns in der Abenddämmerung.
3.) Kosmischer Untergang (Morgenerst, Frühuntergang, Morgenuntergang).
Erster sichtbarer Untergang eines Gestirns in der Morgendämmerung.
Sternenuntergang im Westen vor Sonnenaufgang im Osten; morgens.

4.) Heliakischer Untergang (griech. = zur Sonne gehörig; Abendletzt, Spätuntergang, Abenduntergang).
Letztmalige Sichtbarkeit vor dem Untergang eines Gestirns, in der Abenddämmerung vor langer Unsichtbarkeit, wegen zu großer Sonnennähe.
Sternenuntergang im Westen nach Sonnenuntergang im Westen; abends.

Ein siderisches (Sternen-) Jahr dauert immer von einem heliakischen Aufgang zum nächsten und es ist fast genauso lang wie ein tropisches Sonnenjahr, das jeweils mit dem Sonnenstand im sogenannten Frühlingspunkt, den Schnittpunkt der Erdumlaufbahn oder der scheinbaren Sonnenbahn mit dem Himmelsäquator beginnt. Beide benötigen für einen scheinbaren Umlauf ungefähr 365,24 Tage, wobei das Sternenjahr etwa 20 Minuten länger ist.

Aufgrund des Präzessionseffekts verschiebt sich ein heliakischer Aufgang zeitliche durch die Jahreszeiten und Jahre und auch die Lage und Höhe eines Sternes am Horizontrand verändert sich. Die Sonne hingegen bleibt in ihrer Stellung am Horizontrand über Jahrtausende nahezu unverändert, allerdings wandert auch sie zeitlich rückwärts durch den Tierkreis.

Heliakischer Aufgang SiriusDamit ein Sternenauf- oder Untergang in den helleren Dämmerungszeiten überhaupt in Horizontnähe gesehen werden kann, muss ein bestimmter vertikaler Abstand zwischen der Sonne und dem Stern sein. Die Sonne muss dazu 7° – 10° unter und ein heller Stern 3° über dem Horizont stehen. Der genaue Wert hängt von der Helligkeit des Sternes und der jahreszeitlichen Dämmerungsdauer ab.
Diese Skizze
(Ernst Künzel. Himmelsgloben und Sternenkarten) zeigt, wie tief die Sonne unter dem Horizont stehen muss, damit ihr Licht nicht den hellsten Stern Sirius überstrahlt (Sirius +3°; Sonne -7° / -10°).

Die lichtschwachen Plejaden werden hingegen laut Prof. Wolfhard Schlosser erst sichtbar, wenn diese 5° über und die Sonne 15° unter dem Horizont steht.

Um 1.950 v.Chr. konnte in Mitteldeutschland von geeigneten Standorten aus vermutlich das seltene Ereignis von etwa zeitgleichen Sternenauf- und Untergängen beobachtet werden:
Wenn Procyon gegen Ende April / Anfang Mai (1. Mai = meteorologischer Sommeranfang) heliakisch unterging, war ungefähr zeitgleich Altair im akronychischen Aufgang zu sehen. Und andersherum fand Anfang – Mitte November der kosmische Untergang von Procyon ungefähr zeitgleich mit dem heliakischen Aufgang von Altair statt.

In der zeitlichen Mitte zwischen den vier Jahreseckpunkten der Sonne liegen vier Daten oder (Mond-?) Feste, die für ackerbauliche Termine sicherlich von Interesse waren. So könnten Procyon und Altair die Feste Beltaine und Samhain angekündigt haben.

Heutzutage können die letzten Nachtfröste Mitte Mai und den ersten Frost um den 1. November (meteorologischer Winteranfang) eintreten. Da das Klima in der Frühbronzezeit insgesamt und im Thüringer Becken besonders, noch milder war als in der Umgebung, könnte es sein, dass dort die letzten Frostnächte schon früher und die ersten Fröste später vorkamen.

Wenn Anfang Mai Procyon zum letzten Mal im Westen sichtbar war, heliakisch unterging, begann der meteorologische Sommer und wenn an einem Novembermorgen Altair heliakisch aufging, begann der meteorologische Winter.

Dr. Burkhard Steinrücken hat in seiner Arbeit “Die Phasen der hellsten Sterne in der Bronzezeit” nun genauere Untersuchungen veröffentlicht. Allerdings beziehen sich seine Untersuchung auf 1.800 v.Chr. und auf den 52. Breitengrad und sie sind sehr viel genauer, halt wissenschaftlich erstellt (http://sternwarte-recklinghausen.de/astronomie/forschungsprojekt-vorzeitliche-astronomie/#A06).
Meine Erkenntnisse, für 1.950 v.Chr. und den 51. Breitengrad, scheinen annähernd richtig zu sein. Es bleibt spannend wie die exakten Sternenphasen für diese Zeit und Region ausfallen.
Allerdings war der akronychische Aufgang (Abenderst) von Altair nicht auf nur wenige Tage zu begrenzen. Dieser Sternenaufgang konnte vom 31. bis 54. Tag, innerhalb einer Zeitspanne von bis zu 23 Tagen, nach der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche beobachtet werden. Alle heliakischen Sternenphasen weisen in der Bronzezeit aber sehr viel kürzere Abschnitte auf.
Eine neue interessante Beobachtung ist, dass der heliakische Untergang von Altair 1.800 v.Chr. zudem terminlich fast exakt auf den astronomischen Winteranfang (heutzutage 21. Dez.) fiel.

 


Acht wichtige Zirkumpolarsterne

1. Phase Blickrichtung NordenBlick nach Norden: Nun fehlt im Bereich der nördlichen Hemisphäre der Himmelsscheibe noch die Bedeutung für die hier hellblau markierten Sterne. Sie sind auf der Himmelsscheibe ziemlich gleichmäßig strukturiert dargestellt, was zu den tatsächlichen Bewegungen der Zirkumpolarsterne passt, die sich alle in Vollkreisen um einen unsichtbaren Nordpol drehen, weil in der Frühbronzezeit kein Stern in seiner Nähe stand. I

Um den unsichtbaren Nordpol auf der Himmelsscheibe zu ermitteln, besorgen wir uns am besten das maßstabgerechte Poster mit dem Foto der Himmelsscheibe in Originalgröße. Dort suchen wir mit dem Zirkel auf der Nord-Süd-Achse den Mittelpunkt des Kreises, der den Horizont und den entferntesten der acht Sterne schneidet. Da alle Sterne in Parallelbögen den Himmelspol umkreisen, ziehen wir von diesem Mittelpunkt aus auch durch alle anderen sieben Zirkumpolarsterne Kreise. Nummerieren wir die acht Sterne entsprechend ihrer Entfernung vom Himmelspol, liegen die geraden Zahlen links und die Ungeraden rechts des Meridians.    Vergleichen wir nun die Abstände der im Poster eingezeichneten Kreisbahnen mit der im Computerprogramm >Stellarium< angegebenen Höhenwinkel einiger besonders heller Sterne überm Nordpunkt, stellen wir fest, dass diese Werte im Verhältnis ziemlich gut übereinstimmen.

alle Zirkumpolarsterne

Der Nordpol war in der Frühbronzezeit tatsächlich ein sternenloses Zentrum.
Von den
hellsten Zirkumpolarsternen sind in dieser Himmelskarte acht rot markiert und ebenfalls entsprechend ihrer Entfernung zum Nordpol durchnummeriert. Wie wir sehen stimmt die Lage der Sterne in diesem Moment nicht, aber auch sonst niemals, mit den Positionen der Sterne der Himmelsscheibe überein. Aber die markierten Sterne überschreiten den Meridian jeweils in Paaren zeitlich nahe nacheinander, und zwar: 1 Kocab / Kl. Wagen + 4 Polaris / Kleiner Wagen, 3 Alkaid / Gr. Wagen + 2 η- Drache, 5 Etamin / Drache + 6 Alderamin / Kepheus, 7 Alphekka / nördliche Krone + 8 Vega / Leier.
Von den 4 Sternenpaaren überqueren zuerst die >ungeraden< Sterne 1, 3, 5 + 7 den Meridian, danach ihre Partnersterne 2, 4, 6 + 8, wie auf der Himmelsscheibe.

Sie haben folgende Abfolge; 3, 7, 2, 8, 5, 1, 6, 4 und zwischen diesen 8 Sternendurchgängen vergehen fast 12 Stunden.

Da in der Bronzezeit der Handel aufblühte, war es wichtig sich auf den Reisen am Himmel zu orientieren. Der jeweilige Breitengrad entspricht zwar der Höhe des Nordpols über dem Horizont, aber weil damals in der direkten Nähe des Nordpols kein heller Stern leuchtete, war er sehr schwierig zu ermitteln. Daher könnten sich Reisende die Höhe des untersten hellen Zirkumpolarsterns für seinen Heimatort gemerkt haben. Denn dieser gehörte, wenn er nach Süden reiste, bald darauf nicht mehr zu den Zirkumpolarsternen.

Diese Reihenfolge und eventuell Höhenwinkel (Altitude) der Sterne sollte man vermutlich gekannt haben, wenn man in der Frühbronzezeit vom 51. Breitengrad in den Süden reiste: Vega 2,7°; Alphekka 6,2°; Alderamin 10,9°; Etamin 17,3°; Polaris 29,2°; Alkaid 31,8°; η- Drache 33,1°; Kocab 43,6°; Nordpol 51,2°.
Die beiden relativ lichtschwachen Sterne des Drachens, Etamin und η- Drache, könnten zusammen mit dem knapp über dem Nordpunkt stehenden Stern Vega auch zur ungefähren Anpeilung des Nordpols verwendet worden sein..
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5 Zirkumpolarsterne der Himmelsscheibe gehören zu einer Sternenuhr.


 

 

 

 

 

 

 

Zeitgleiche Sternendurchgänge

Zeitgleiche Kulminationen von Zirkumpolarsternen können auch zur exakten Ermittlung des wahren Nordens genutzt werden: „Dr. Kate Spence, University of Cambridge, hat eine überraschend einfache Theorie vorgeschlagen, die -wenn sie stimmt- das genaue Jahr der Grundsteinlegung der Cheopspyramide (plus-minus fünf Jahre!) liefern würde. Den Schlüssel liefert ihr die bislang ebenfalls rätselhafte Ausrichtung der Pyramiden. Schon lange wundern sich die Archäologen darüber, wie exakt die pharaonischen Baumeister es verstanden, die Riesenbauten entlang der Nord-Süd-Achse auszurichten. So weicht die Westkante der Cheopspyramide weniger als ein Zwanzigstel Grad (0,05°) von der Richtung zum Nordpol ab. Seltsamerweise variiert die Genauigkeit exakt mit der Torkelbewegung der Erdachse (der 26.000 jährigen Präzessionsbewegung). Kate Spence vermutet, dass die Ägypter nicht nur einen Stern beobachteten, sondern zugleich zwei: Die Sterne Kocab / Kleiner Bär (obere Kulmination etwa 38°) und Mizar / Großer Bär (2. Deichselstern; obere Kulmination etwa 40,5°) lagen damals ungefähr auf einer Linie mit dem nördlichen Himmelspol – Norden war also dort, wo die Verlängerung ihrer Verbindungslinie in einer Nacht senkrecht auf den Horizont traf. – Doch nur im Jahre 2.467 vor Christus lag der Himmelspol genau auf der Linie beider Sterne. Davor wird die Abweichung in Westrichtung immer größer und danach verfehlten die Baumeister mit dieser Methode die exakte Nordausrichtung. Mit zeitlich wachsendem Abstand wird dieser Fehler in Ostrichtung immer größer. Aus der Abweichung der Cheopspyramide vom Meridian kann man daher berechnen, wann genau sie eingenordet wurde. Kate Spence gibt zu, dass die von ihr vorgeschlagene Nordungsmethode nur etwa 300 Jahre lang Verwendung fand.“ [9]

Nordzeiger Von den acht Zirkumpolarsternen, die wir für der Himmelsscheibe von Nebra ermittelt haben, querte folgendes Sternenpaar fast gleichzeitig den Meridian: Alderamin und Kocab stehen in ihrer unteren Konjunktionen, 10,8° und 43,6° über dem Horizont. Sie sind von den acht Zirkumpolarsternen am besten geeignet, um die Nordrichtung zu ermitteln, auch weil Polaris am nächsten um den Nordpol kreist.

– Da der Höhenwinkel fast 44° beträgt, muss das Lot so hoch wie möglich aufgehängt werden. Es gilt: Je größer der Abstand zwischen Lot und Peilstange, hinter der der Beobachter steht, desto genauer die Nordmessung. Beide Sterne stehen allerdings erst minimal westlich des Meridians exakt übereinander.

Zudem war Alderamin in seiner oberen Kulmination am besten geeignet um den Zenit anzuzeigen. Er wäre somit als Heimatstern für die Region sehr geeignet gewesen. Denn mit zunehmender Entfernung, nach Süden oder Norden, eignet sich irgendwann ein anderer Stern besser als Zenit- oder Heimatstern.

Der Ägyptologe Robert G. Bauval veröffentlichte zu dieser Theorie: Er habe schon vor Kate Spence die Idee gehabt, dass der Kleine und Große Wagen zum Bau der Großen Pyramiden genutzt wurden. Für ihn waren sie außerdem noch die Zeiger einer Sternenuhr. Denn zeitgleich mit Kocab und Mizar, ging etwa 26° südlich vom Ostpunkt, der Stern Rigel aus dem Orion auf und diese große Konstellation sei eine Sternenuhr. Die Ägypter konnten an dem nördlichen Sternenzeiger erkennen, wann der Stern Zeta Orionis >geboren< wurde. [10]

An dieser Stelle fällt auf, dass auf der Himmelsscheibe von Nebra der versetzte Stern im Ostpunkt und der goldene Stern, für den wir Polaris ermitteln konnten, die beiden einzigen größeren Sternenscheiben sind. Dies könnte ein versteckter Hinweis sein. Denn wenn Polaris die obere, südliche Kulmination erreichte war zeitgleich, diesmal genau im Osten, wieder einmal Procyon aus dem Wintersechseck zu sehen (siehe nachfolgende 4. Sternenkarte).


[9] www.zeit.de/2000/47/Cheops%27_Kompass/seite-3
[10] www.robertbauval.co.uk. The starclock of Ursa Major and Ursa Minor.

 

Himmelskreuz Das Himmelskreuz

Wenn bei diesem Sternenzeiger Vega 8 direkt im Nordpunkt steht, schlängelte sich das hier rosa eingezeichnete Sternbild Drache, mit den Sternen 5 + 2, um den unsichtbaren Meridian, der aus dem Nordpunkt entsprang. Der >Kastenstern< Dubhe aus dem Großen Wagen stand zeitgeich oberhalb des Nordpols ebenfalls etwa auf derselben Himmelsachse. Dieser lange Sternenzeiger bildete mit dem anderen Sternenzeiger aus Polaris 4 und Alkaid 3, der sechs Stunden davor und danach im Meridian stand, etwa einen rechten Winkel. Und in ihrem Kreuzungspunkt befand sich der Nordpol!
Dies ist das Uhren- und das Himmelskreuz!
Diese Konstellation aus 6 Sternen erinnert an ein Kreuz, das in manchen jungsteinzeitlichen und bronzezeitlichen Steinzeichnungen zu finden ist sowie an Darstellungen der altnordischen Weltenesche Yggdrasil oder der germanischen Weltensäule Irminsul.

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Eine komplette Sternenuhr

Auf der Himmelsscheibe von Nebra sind der versetzte Stern im Ostpunkt und der goldene Stern, für den wir Polaris ermitteln konnten, die beiden einzigen größeren Sternenscheiben.

Denn, wenn in der Himmelskarte 4 Polaris / Kleiner Wagen in der oberen, südlichen Kulmination stand, bildete er mit 3 Alkaid / Gr. Wagen einen Sternenzeiger und genau im Osten war zeitgleich wieder einmal Procyon zu sehen (siehe nachfolgende 4. Himmelskarte)!
Von den ermittelten Zirkumpolarsterne bilden zudem drei weitere Sterne
2 η- Drache, 5 Etamin / Drache und 8 Vega / Leier annähernd einen Sternenzeiger über dem Nordpol.
Verfolgen wir den zeitlichen Ablauf dieser beiden Sternenzeiger vergingen zwischen den vier Stellungen jeweils genau 6 Stunden oder 4x 1/4 der Himmelsansicht, die je nach Region sichtbar waren! Und sie waren zeitgleich mit unser Sechseck- oder Dreieck
-Konstellation zu sehen!
Der Schöpfer der Himmelsscheibe hatte den Mechanismus einer kompletten Sternenuhr entdeckt, die einen Tag theoretisch in vier gleiche Teile teilen konnte. Allerdings überstrahlte das Sonnenlicht je nach Tageslänge zwei oder auch drei Sternenzeiger, so dass manchmal nur ¼ Himmelsdrehung beobachtet werden konnte.Alle 4 Sternenzeiger Sternenuhr

 

Stern überm Nordpunkt, Azimut

zeitgleiche Konstellation in
Blickrichtung Süden

Westen / Osten,
Azimut

 

1. Abb.

Vega, untere Kulmination

Sechseck westl.
des Meridians

6 Stunden später

2. Abb.

Polaris 0,7°+ Alkaid 1°

Gr. Dreieck im Osten gerade
komplett aufgegangen

Procyon nur ungefähr im Westen

6 Stunden später

3. Abb.

Vega, obere Kulmination

Gr. Dreieck westl.
des Meridians

6 Stunden später

4. Abb.

Alkaid 360° + Polaris 357°

Sechseck im Osten,
Procyon gerade aufgegangen + Sirius fehlt noch

Procyon im Osten, 90°

6 Stunden später

Es ist kaum zu glauben, dass sich für acht der Zirkumpolarsterne, die durch die Abstände der Kreislinien ermittelt wurden, eine solche Menge an Übereinstimmungen finden ließ, die möglicherweise zu den in dieser Interpretation zugeordneten Sternen der Himmelsscheibe von Nebra passen könnten. Wer hätte das gedacht. Dies kann kein Zufall sein!

– Alle vier Haupthimmelsrichtungen der Himmelsscheibe, die in dieser Interpretation ermittelt wurden, stimmen ziemlich exakt mit den wahren Himmelsrichtungen überein! Sie wurden nicht anhand der Sterne in ihren Auf- oder Untergangsorten ermittelt, sondern anhand einzelner Sternpositionen im Zusammenhang größerer Sternkonstellation. Wenn der nördliche Sternenzeiger aus Polaris und Alkaid mit Procyon im Ostpunkt einen rechten Winkel bildete, ließen sich die Himmelsrichtungen Westen und Süden sehr genau ergänzen. – Ein Mittelpunkt der Himmelsscheibe liegt somit tatsächlich im Schnittpunkt der Linie zwischen den beiden goldenen Sternen im Ost- und Westpunkt und der Nord-Süd-Linie, die durch den Stern Vega verläuft.

– Welche Bedeutung der Stern Alphekka / Nördliche Krone hatte, bleibt noch spekulativ, vermutlich diente er den Reisenden als Heimatstern um den richtigen Breitengrad anzuzeigen, da er in Horizontnähe den Nordpunkt quert.

Dem Stern Procyon haben wir in dieser Theorie 3x verschiedene goldene Sternensymbole zugeordnet. Und obwohl wir jedem Symbol zuvor schon einen bestimmten Stern zugeteilt hatten, scheint es möglich zu sein, dass zwei der kleinen goldenen Vollkreise zusätzlich noch den Stern Procyon symbolisieren könnten. Procyon ist einmal kurz nach seinem Aufgang im Osten (größeres Goldplättchen als Teil der Sternenuhr), einmal kurz nach seiner Kulmination neben dem Meridian und einmal kurz vor seinem Untergang im Westen zu sehen. Demnach ist eine Mehrfachbelegung gegeben und das ist dann auch für andere Elemente nicht auszuschließen!
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Fünf Zirkumpolarsterne bilden zwei Sternenzeiger, die im Abstand von exakt 6 Stunden im Meridian stehen.


 

Der NordpolDie Lage des unsichtbaren Nordpols lässt sich auf 3 unterschiedlichen Wegen ermitteln

 

 

 

 

 

 

 

 


Jedem goldenen Stern entsprechen ein bis drei >echte< Sterne

Der Reiz dieser Scheibe lag für den Erfinder vermutlich vor allem darin, sein komplettes Wissen der Himmelsbewegungen, so eindeutig wie möglich, bildlich darzustellen. Dabei sollten vielleicht nur einige wenige Sternenkundige seiner Zeit, falls sie die Scheibe längere Zeit betrachten durften oder diese in ihren Besitz bekamen, den Inhalt entschlüsseln können.
Doch um das Wissen der Scheibe zu vermitteln, waren sicherlich auch mündliche Erklärungen nötig und daher müssten die hellsten Sterne auch Namen gehabt haben.
Der Schöpfer der Himmelsscheibe war in Mitteldeutschland also der erste nachweisliche Astronom (griech. astron = Stern; nemein = benennen).

Und so würden die goldenen Sterne der Himmelsscheibe von Nebra heute heißen:

Die Sterne der Himmelsscheibe zeigen 2 jahreszeitliche Kostellationen, 8 Zirkumpolarsterne, Sterne des Tierkreises und 5 Planeten.2.750 v.Chr. herrschte König Gilgamesch über Uruk, die erste Großstadt der Geschichte, mit 25.000 Einwohnern. Der Herrscher der Stadt war zugleich ihr oberster Priester, der das Leben aller durch einen Kalender regelte. Dem einfachen Volk genügte vorerst der Mond als Zeitweiser, und wenn es an der Zeit war, den Göttern zu danken oder sie um neue Wohltaten zu bitten, sagten es ihnen die Priester. Sie beschäftigten sich besonders mit dem Geschehen am Himmel und wussten bereits um 2.500 v. Chr., dass Sonne, Mond und Planeten auf geschlossenen Bahnen durch den Tierkreis ziehen. Die vier Jahreseckpunkte konnten sie sowohl mit dem Schattenstab, dem Gnomon, als auch aus der Stellung der Gestirne bestimmen. Ihre geheimes Wissen notierten sie auf tausenden Keilschrifttafeln, die unter anderem einen Katalog von 66 Gestirnen und eine Omensammlung mit etwa 7000 Vorzeichen enthalten.” [11]

Von ihnen ist zuerst der Frühlingspunkt im Sternbild Widder beschrieben und überliefert worden. Seitdem ist 0° Widder der Frühlingspunkt und auch heute noch der Widderpunkt im sogenannten tropischen Tierkreis der Astrologen.


[11] LENZ, Hans. 2005. Universalgeschichten der Zeit. Kalender.
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Weiterlesen: Die Grablegung des Fürsten von Leubingen